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LifeGRID: Lebensrettung in flut- und energiekritischen Gefährdungssituationen durch Realisierung von Insellösungen im Rahmen der Daseinsvorsorge

Im Landkreis Wesermarsch wird ein Konzept zur Rettung und Versorgung von pflegebedürftigen Personen in Gefahrensituationen erprobt. Neben technischen Maßnahmen stehen die Sensibilisierung der Bevölkerung, die Krisenkommunikation, die Erfassung der Pflegedienste und Pflegebedürftigen sowie die Schulung der Pflegenden im Vordergrund.

Aufgebaute Versorgungszelte
© Jade Hochschule, Standort Oldenburg

Projekt LifeGRID: Pflege krisenfest machen

Das vom BMFTR geförderte Projekt „Lebensrettung in flut- und energiekritischen Gefährdungssituationen durch Realisierung von Insellösungen im Rahmen der Daseinsvorsorge (LifeGRID)“ verfolgt seit 2023 das Ziel, die Katastrophenresilienz im Landkreis Wesermarsch gezielt zu stärken. Hintergrund sind zunehmende Extremwetterereignisse, drohende Stromausfälle und steigende Flutgefahren u. a. aufgrund von Starkregenereignissen, die insbesondere ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen in den Fokus rücken. „Wir sehen eine wachsende Zahl vulnerabler Personen, die im Ernstfall besonders schnelle und lösungsorientierte Unterstützung benötigen“, sagt Oliver Buff vom Institut für Gefahrenabwehr, einem der zentralen Projektpartner.

Neben dem Institut arbeiten der Landkreis Wesermarsch, der DRK-Kreisverband Wesermarsch, die Jade Hochschule, die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband sowie die Großleitstelle Oldenburger Land an einem integrierten Ansatz, der Bevölkerung, Pflege und Katastrophenschutz systematisch miteinander verzahnt.

Von Strategien und Strukturen bis zum Praxiseinsatz

LifeGRID entwickelt dafür ein Strategiekonzept, das sowohl präventive als auch operative Maßnahmen umfasst. Dazu gehören technische und organisatorische Lösungen wie die häusliche Notfallversorgung ohne Strom, der Aufbau eines digitalen Pflegeregisters und einer webbasierten Hilfe-Infrastruktur sowie Informationsangebote und Instrumente wie der Resilienzmonitor. Parallel dazu werden ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen befähigt, eigene Notfallpläne zu entwickeln und sich nach Standards des „Disaster Nursing“ auf Krisenszenarien vorzubereiten. „Pflegeeinrichtungen sind ein entscheidender Baustein im Gesamtsystem. Ihre Einbindung in die Katastrophenschutzplanung ist unverzichtbar“, betont Buff.

Im Bereich Katastrophenschutz und Kritische Infrastrukturen entstehen neue Strukturen, um die Versorgung pflegebedürftiger Personen im Katastrophenfall sicherzustellen. Dazu zählt die Einrichtung einer „Betreuungsplatz Pflege“: Darüber kann pflegebedürftigen Menschen im Krisenfall (z. B. wenn deren häusliche Versorgung zusammengebrochen ist) geholfen werden. Zudem sollen in Zukunft speziell ausgebildete Pflegefachkräfte die Katastrophenschutzstäbe beratend unterstützen. Ergänzt wird das durch regelmäßige Übungen, mit denen die Zusammenarbeit aller Akteure im Ernstfall erprobt werden soll. Resilienz versteht das Projekt als systemische Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, sich anzupassen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Die Maßnahmen sollen langfristig übertragbare Modelle schaffen. „Unser Anspruch ist, Lösungen zu entwickeln, die auch über die Wesermarsch hinaus nutzbar sind“, so Buff. Die LifeGRID-Projektwebsite wird daher schrittweise aufgebaut, um Ergebnisse und Werkzeuge öffentlich zugänglich zu machen.

Seit Projektbeginn finden Übungen mit dem Deutschen Roten Kreuz statt. Im Frühjahr 2026 stand eine weitere Stabsrahmenübung an, die durch einen realitätsnahen Praxisteil ergänzt wurde: Die Teilevakuierung von Bewohnerinnen und Bewohnern einer stationären Pflegeeinrichtung wurde erfolgreich unter realen Bedingungen von der Organisation über den Transport bis zur Aufnahme in vorbereiteten Zentren in der Stadthalle Elsfleth und im Berufsbildungszentrum Brake trainiert. Den Abschluss des Projekts bildet 2027 u. a. eine groß angelegte Übung, die das gesamte System auf seine Leistungsfähigkeit prüft. „Nur wenn wir Abläufe unter Stress testen, wissen wir, ob sie im Ernstfall funktionieren“, sagt Buff.

Pflegeregister für den Katastrophenfall

Ein zentrales Ergebnis der Arbeiten ist die Entwicklung neuer Werkzeuge, die besonders gefährdete Menschen im häuslichen Umfeld besser schützen. Die bisherigen Analysen haben gezeigt, dass Einsatzkräfte im Ernstfall oft nicht wissen, wo pflegebedürftige Personen leben und welche Unterstützung sie benötigen. Aus dieser Lücke heraus entstand eine der innovativsten Maßnahmen des Projekts: das neue Pflegeregister für den Katastrophenfall.

Bislang fehlte den Einsatzkräften ein entscheidender Baustein: der Überblick über pflegebedürftige Menschen in häuslicher Umgebung. Wer auf Beatmungsgeräte, Dialyse oder Mobilitätshilfen angewiesen ist, gerät in Krisenlagen schnell und oft unbemerkt in Gefahr. Mit dem Pflegeregister setzt der Landkreis Wesermarsch nun ein bundesweit beachtetes Zeichen für vorausschauenden Bevölkerungsschutz. Erstmals können sich hilfs- und pflegebedürftige Personen freiwillig registrieren, um im Ernstfall gezielt unterstützt zu werden. Die digitale Plattform liefert den Katastrophenschutzstäben präzise Informationen über Wohnort, Mobilität, medizinische Geräte und individuellen Hilfebedarf. Registrieren sollen sich Personen zunächst ab Pflegegrad 3, die zu Hause leben und auf medizinische Geräte oder regelmäßige Hilfe angewiesen sind.

Im Ernstfall erhalten die Katastrophenschutzstäbe über eine digitale Karte einen Überblick über die betroffenen Personen und deren spezifischen Hilfebedarf. Derzeit erfolgt die Koordination noch manuell, perspektivisch sollen Algorithmen der Jade Hochschule die Einsatzplanung unterstützen. „Das Pflegeregister ist ein Meilenstein für den Bevölkerungsschutz“, erklärt Peter Deyle, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Wesermarsch. „Es ermöglicht uns, Hilfe dort zu leisten, wo sie am dringendsten gebraucht wird.“

In der Wesermarsch leben rund 5.000 pflegebedürftige Menschen, viele davon in häuslicher Umgebung. Die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegeeinrichtungen ist daher essenziell, um die Registrierung bekannt zu machen und die Datenbasis zu erweitern. Das Pflegeregister ist damit nicht nur ein Instrument für den Katastrophenschutz, sondern auch ein Beispiel für gelungene Kooperation zwischen Verwaltung, Hilfsorganisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Es zeigt, wie digitale Lösungen und freiwilliges Engagement Versorgungslücken schließen und die Sicherheit besonders vulnerabler Menschen stärken können.

Autoren: Ulrich Schlüter / Kreisgeschäftsführer Peter Deyle, Kreisverband Wesermarsch e.V., Deutsches Rotes Kreuz

Ratgeber mit Checkliste, Tipps und Maßnahmen für den Katastrophenfall von Projekt LifeGRID

Vorbereitet bei Hochwasser und Stromausfall in der Wesermarsch, 04.02.2026

Weitere Informationen zum Verbundprojekt Phase II

Förderkennzeihen 13N16828 bis 13N16834

Projektlaufzeit Oktober 2023 – September 2027

Projektumrioss LifeGRID II

Weitere Informationen zum Verbundprojekt Phase I

Förderkennzeihen 13N15624 und 13N15625

Projektlaufzeit Juni 2021 – November 2022

Projektumriss LifeGRID (PDF, 252KB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)