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KABINE: Telemedizinische Untersuchungskabine zur Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung

Naturkatastrophen können die medizinische Versorgung massiv beeinträchtigen. Im Projekt KABINE wird ein mobiles medizinisches Modulsystem erforscht, das schnelle Hilfe vor Ort ermöglicht. Ausgestattet mit Untersuchungskabinen, medizinischen Geräten und Medikamenten sowie telemedizinischer Betreuung, soll es die Erstversorgung von Verletzten und psychosoziale Betreuung in Krisensituationen sicherstellen. Ziel ist eine kostengünstige, einsatzfähige Lösung für Katastrophengebiete und Regionen mit schwacher Infrastruktur.

Eine übrflutete Stadt
© Mas0hod - stock.adobe.com

Es begann mit einer mobilen Toilettenkabine, wie man sie sonst auf Veranstaltungen sieht und endete mit einer telemedizinischen KABINE, in der erste hausärztliche Versorgungen durchgeführt werden können. Das Projekt KABINE, das vom BMFTR von Anfang April 2024 bis März 2026 mit rund 700.000 Euro gefördert wird, entwickelt eine „ Projektumriss KABINE“ nach Katastrophen in zerstörter Infrastruktur.
Die Idee für das Konzept entstand in Verbindung mit den verheerenden Auswirkungen des Hochwassers im Ahrtal 2021. Viele Arztpraxen waren zerstört und die dringend notwendige ärztliche Versorgung damit erschwert. An wenigen zentralen und zugänglichen Orten wurden im Nachgang der Katastrophe sogenannte Mobile Medizinische Versorgungseinheiten (MMVEs) und ähnliche Behandlungseinrichtungen aufgebaut. Nach ersten Recherchen hätte rund 50% der dort geleisteten Versorgung auch telemedizinisch durchgeführt werden können, insbesondere was z.B. die Ausstellung von Rezepten für bekannte Medikationen angeht.

Grundfunktion und Ausstattung
Grundfunktion und Ausstattung.  © KABINE-Projekt

Mobile Mini-Arztpraxis
Warum also nicht eine Lösung entwickeln, mit der mobile telemedizinische Kabinen in Schadensgebieten verteilt werden können, die über eine solide Logistikkette verfügen, günstig verfügbar sind und durch integrierte Solarpaneele, einen angeschlossen Akku und Satellitenkommunikation autark verwendet und sogar mittels Helikopter angeliefert werden können? Die telemedizinische KABINE ist technisch darauf ausgelegt, dass direkt vor Ort akute und chronische Erkrankungen diagnostiziert und geeignete Therapien vorgeschlagen werden können. Dafür ist eine Vielzahl von Medizingeräten integriert: Ein Blutdruckmessgerät, ein Pulsoximeter, ein Thermometer, ein Stethoskop, ein EKG und eine Untersuchungskamera mit Aufsätzen für Wund-, Haut und Ohruntersuchungen. Alle Geräte werden durch die Patientinnen und Patienten unter telemedizinischer, von Ärztinnen und Ärzten durchgeführter Anleitung selbst verwendet. Die aufgenommenen Vitalparameter und Messwerte werden in eine Software übertragen, die der Telearzt direkt einsehen kann. So ist nicht nur die Ausstellung von Rezepten unkompliziert möglich, sondern auch andere Therapiemaßnahmen, die von den Patientinnen und Patienten nach Anleitung selbst durchgeführt werden können, bspw. das Anlegen von Creme-Verbänden.

Die KABINE im Praxiseinsatz
Nach der Entwicklung des ersten Demonstrators folgten nun zwei Studien zur Evaluation der KABINE. Für eine erste Studie wurden Fallbeispiele anhand von klassischen Versorgungsbedarfen in Hausarztpraxen entwickelt, die von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten in der KABINE versorgt wurden. Beispiele sind hier fehlende Asthmamedikamente, Infekte bspw. der Augen oder des Harnwegs, akuter Bluthochdruck, aber auch psychiatrische Ereignisse wie Panikattacken. Auch die Versorgung von Kindern zwischen 3 und 16 Jahren wurde getestet, die in Begleitung Ihrer Eltern die KABINE nutzten.

In einer zweiten Studie fand eine reale Anwendung auf dem Parookaville-Festival statt, bei der Besucherinnen und Besucher telemedizinisch versorgt wurden. Eingebunden in den Sanitätsdienst wurden hier Behandlungen durchgeführt. Der erste Eindruck ist, dass die KABINE auch bei sommerlichen Außentemperaturen und hoher Auslastung robust verwendet werden kann. Beide Studien werden aktuell wissenschaftlich ausgewertet, um daraus Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der KABINE zu gewinnen. Die bisherige Resonanz von Patientinnen und Patienten sowie Einsatzkräften ist sehr positiv und zeigt, dass der Ansatz solcher telemedizinischen KABINEN weiterverfolgt werden sollte – insbesondere auch zur Entlastung von Krankenhäusern im Katastrophen- oder Verteidigungsfall.

Bis zum Projektende im März 2026 steht die Weiterentwicklung von KABINE und die Konzeption eines zweiten verbesserten Demonstrators im Fokus.

Projektkonsortium: Uniklinik RWTH Aachen, Docs in Clouds TeleCare GmbH, Rudolf Riester GmbH
Autoren: Anna Müller (Uniklinik RWTH Aachen), Dr. Andreas Follmann (Uniklinik RWTH Aachen)

 

Weiterführende Informationen zum Verbundprojekt

Förderkennzeichen  13N16908 bis 13N16940

Projektlaufzeit April 2024 - März 2026

Projektumriss KABINE