Sicheres Leben ermöglichen
In Sicherheit zu leben ist ein Grundbedürfnis und für eine offene und demokratische Gesellschaft ebenso elementar wie für den sozialen Frieden. Dynamische und zum Teil auch unvorhersehbare gesellschaftliche beziehungsweise technologische Entwicklungen haben in den vergangenen Jahren die Verwundbarkeit staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen deutlicher sichtbar werden lassen. Zudem ist erkennbar, dass sich das Kriminalitätsgeschehen verändert. Damit verbunden sind neue beziehungsweise sich ändernde Erscheinungsformen von Kriminalität sowie ein in verschiedenen Bereichen zu verzeichnender Anstieg der behördlich registrierten Straftaten, die neue oder angepasste Maßnahmen der Kriminalitätsbekämpfung erfordern.
So treten beispielsweise bekannte Kriminalitätsphänomene wie Cyberkriminalität, organisierte Kriminalität oder Wirtschaftskriminalität verstärkter und in stetig größeren Schadensdimensionen auf. Ebenso werden radikalere Protestformen registriert, die teilweise gewalttätige oder extremistische Ausmaße annehmen können. Immer häufiger werden dabei Querverbindungen von extremistischen Milieus zu organisierter Kriminalität sichtbar. Forschung kann wichtige Grundlagen bieten, damit für die Kriminalitätsbekämpfung neue Methoden und Techniken zur Vorhersage und Analyse sich wandelnder beziehungsweise neu entstehender Kriminalitätsfelder und -formen entwickelt werden.
Neben diesen neuen sicherheitsrelevanten Ausprägungen von Kriminalitätsphänomenen sowie den Auswirkungen technologischer Entwicklungen übt die empfundene Sicherheits- und Kriminalitätswahrnehmung einen besonderen Einfluss auf die zivile Sicherheit aus. Hier stellt sich unter anderem die Frage, welchen Einfluss sowohl der gesellschaftliche Wandel als auch neue Formen von Demokratiefeindlichkeit auf die Arbeit der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie auf das wechselseitige Verhältnis von Bevölkerung und staatlichen Akteuren ausüben. Hier gilt es, durch innovative Forschungs- und Entwicklungsansätze zur Steigerung der Akzeptanz unserer Demokratie als Gesellschaftsform beizutragen.
Sich stetig verändernde Formen der Alltagskriminalität machen es außerdem erforderlich, den Einfluss strukturellen und städtischen Wandels auf die Kriminalität sowie die Kriminalitätsprävention umfassender in den Forschungsfokus zu nehmen. Hierbei ist es geboten, bei der Entwicklung ganzheitlicher Sicherheitslösungen gerade im Hinblick auf bestehende Unterschiede der gefühlten zur behördlich registrierten Sicherheit im städtischen beziehungsweise ländlichen Raum auch Akteure außerhalb der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie zivilgesellschaftliche Gruppen stärker einzubeziehen. Das Handlungsfeld „Sicheres Leben ermöglichen“ setzt sich vor dem Hintergrund grundlegender Wandlungsprozesse sowohl mit der Prävention als auch der Bewältigung bestehender und neuer Kriminalitäts- und Radikalisierungsphänomene auseinander. Ziel wird es sein, durch die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien, Methoden und Verfahren die Sicherheitsbehörden übergreifend zu unterstützen. Damit leistet die zivile Sicherheitsforschung einen wichtigen Beitrag zur Erreichung des Ziels, die alltägliche Sicherheit der Menschen in Deutschland zu erhöhen.