Navigation und Service

Logo Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Resilienz der Bevölkerung steigern

Resilienz der Bevölkerung
© Chrissie Salz

Die Stärkung und Steigerung der Eigenvorsorge und des Selbstschutzes der Bevölkerung auf individueller, nachbarschaftlicher und regionaler Ebene ist elementar für eine funktionierende Katastrophenbewältigung. Im internationalen Kontext hat sich hierzu der Begriff „Community Resilience“ entwickelt. Im Sinne einer nachhaltig wirkenden gesellschaftlichen Resilienz geht es insbesondere darum, die Potenziale unterschiedlicher Anpassungsleistungen und Improvisationsfähigkeiten der Bevölkerung systematisch zu nutzen und auszubauen. Das bezieht sich sowohl auf Vorsorgekapazitäten in privaten Haushalten als auch auf die Einbindung in behördliche Maßnahmen der Krisen- und Katastrophenbewältigung sowie der Katastrophennachsorge.

Zentrale Ansatzpunkte bestehen darin, durch wissenschaftliche Zrkenntnisse zukünftig dazu beizutragen, die Bevölkerung stärker für Risiken, Gefahren sowie Krisen- und Katastrophenlagen zu sensibilisieren und hierzu einen entsprechenden gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen. Hierbei kommt dem Thema „Bildung im Bevölkerungsschutz“ und insbesondere der „Bevölkerungsschutzpädagogik“ eine besondere Rolle zu, da sie auf die Erforschung, Gestaltung und Förderung von Lehr- und Lernprozessen im Bevölkerungsschutz abzielt. Hinsichtlich der Belange des Bevölkerungsschutzes muss es das Ziel sein, die Bürgerinnen und Bürger als handelnde Akteure einzubeziehen, sie mit dem Zweck und den Aufgaben des Zivil- und Katastrophenschutzes vertraut zu machen und ihre Eigenverantwortung zu stärken. Es gilt zu analysieren, ob Ansätze der privaten Notfallvorsorge in der Bevölkerung bekannt sind und inwieweit die gesellschaftliche, soziale und kulturelle Diversität der Bevölkerung erweiterte Konzepte der Notfallplanung erfordert. Aufbauend auf der Analyse von Daten und Erfahrungen vergangener Krisen kann Forschung hier aufzeigen, wie beispielsweise zielgruppengerechte Warnungen vor Gefahren oder erfolgreiche Krisenkommunikationskonzepte und Aufklärungskampagnen mit Blick auf eine angemessene Eigenvorsorge gestaltet werden müssen.

Die Bevölkerung transparent und frühzeitig über Gefahrenlagen zu informieren und verbesserte Möglichkeiten der Teilhabe bei der Katastrophenbewältigung und -nachsorge zu schaffen, ist eine der zentralen Herausforderungen eines zukunftsfähigen Bevölkerungsschutzes. Viele Bürgerinnen und Bürger agieren in Krisen- und Katastrophenlagen als Spontanhelfende und organisieren sich dabei zumeist über soziale Medien. Die aktive Beteiligung von Betroffenen und Helfenden sowie ihre wichtige Rolle als Informationsgebende in Krisen und Katastrophen führen zu einer Stärkung der Zivilcourage in der Gesellschaft, sie erfordern aber auch eine koordinierte und systematische Einbindung in professionelle Helfendenstrukturen. Dabei gilt es, einen beidseitigen Informationsaustausch zwischen dem haupt- und dem ehrenamtlichen Katastrophenschutz und der Bevölkerung zu ermöglichen. Eine erfolgreiche, proaktive Risiko- und Krisenkommunikation in beide Richtungen dient in diesem Zusammenhang nicht nur der effektiveren Ereignisbewältigung, sondern kann außerdem einen positiven Effekt auf das Ansehen und Vertrauen in die beteiligten Organisationen und Behörden der öffentlichen Gefahrenabwehr mit sich bringen.

Im Mittelpunkt des Handlungsfeldes „Resilienz der Bevölkerung steigern“ stehen die vielfältigen Forschungsfragen, die sich schwerpunktmäßig mit der Stärkung der Eigenvorsorge und des Selbstschutzes im Sinne eines sozialraumorientierten und vernetzten sowie sozial ausgewogenen Bevölkerungsschutzes auseinandersetzen und insbesondere auch vulnerable Gruppen in den Blick nehmen. Ziel ist es, vor dem Hintergrund vergangener Krisen- und Katastrophenlagen insbesondere den Fokus auf Lösungsansätze auszurichten, die nicht nur zu einem höheren Risiko- und Gefahrenbewusstsein und verbesserten Vorsorgefähigkeiten in der Bevölkerung beitragen, sondern zudem dazu führen, dass das facettenreiche Potenzial und die Eigeninitiative der Menschen im Ereignisfall stärker einbezogen und unterstützt werden können.