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Hybride Bedrohungen besser bewältigen

Hybride Bedrohungen besser bewältigen
© Chrissie Salz

Hybride Bedrohungen sind eine der zentralen sicherheits- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen für Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung von freiheitlichen Demokratien weltweit. Sie bezeichnen verschiedene Formen illegitimer Einflussnahme auf Staaten durch fremde Staaten. Durch den gezielten und koordinierten Einsatz verschiedener Methoden versuchen diese Staaten ihre Ziele gegen deutsche und europäische Interessen und Werte offen und verdeckt durchzusetzen; dabei können auch nichtstaatliche Akteure zum Einsatz kommen. Hybride Akteure können ein breites Spektrum an Instrumenten nutzen, zum Beispiel: Cyberangriffe auf staatliche Stellen und Unternehmen, Spionage und Wirtschaftsspionage, Diebstahl von geistigem Eigentum, Ausnutzung wirtschaftlicher Abhängigkeiten oder wirtschaftliche Einflussnahme, Sabotage von Kritischen Infrastrukturen, Einflussnahme auf freie Wahlen sowie Manipulation und Einflussnahme im Informationsraum, einschließlich Desinformation. Einflussnahme im Informationsraum im Sinne hybrider Bedrohungen zielt auf die Destabilisierung von Demokratien durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung. So soll das Vertrauen in staatliche Stellen untergraben werden und die Beeinflussung des gesellschaftlichen Diskurses soll Konflikte entfachen oder vertiefen.

Eine zentrale Herausforderung bei der Prävention und Bewältigung hybrider Bedrohungen ist deren frühzeitige Erkennung. Dabei kommt es darauf an, Verbindungen zwischen einzelnen Aktivitäten herzustellen und die beabsichtigte Wirkung der Angreifer zu verstehen sowie die Auswirkungen neuer technologischer Entwicklungen zu antizipieren.

Da die Beeinflussung des Informationsraums, einschließlich Desinformation, insbesondere in offenen, pluralistischen Gesellschaften demokratisch verfasster Staaten zu möglichen Angriffsformen zählt, gilt es, Lösungen für eine schnelle Identifizierung und Bekämpfung koordinierter Desinformationskampagnen zu erforschen. Da diese beispielsweise über soziale Medien verbreitet werden beziehungsweise auf einer Verzerrung von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, sind insbesondere Ansätze gefragt, die besonders anfällige soziale Gruppen in den Blick nehmen und die Kompetenz aller Akteure und der Bevölkerung im Umgang mit der Manipulation des Informationsraums anvisieren. Aber auch für andere Formen hybrider Bedrohungen, wie beispielsweise die gezielte Sabotage Kritischer Infrastrukturen, werden intelligente, auf der hohen Innovationskraft von Forschung und Entwicklung beruhende Lösungen zur Analyse und Bewertung der Gefährdungslage sowie zur frühzeitigen Erkennung konkreter Angriffe benötigt.

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Herausforderungen sollen im Handlungsfeld „Hybride Bedrohungen besser bewältigen“ präventive und reaktive Ansätze praxis- und lösungsorientiert betrachtet werden. Diese sollten sich nicht auf Einzelphänomene beschränken, sondern insbesondere auch deren Zusammenwirken in hybriden Strategien adressieren. Es sollen vorausschauende Maßnahmen erforscht werden, um die Anfälligkeit für hybride Bedrohungslagen zu minimieren sowie die Lagen und Zusammenhänge von Einzelereignissen frühzeitig und umfassend erkennbar zu machen. Zudem müssen Konzepte erforscht werden, die im Schadensfall dazu beitragen, die Auswirkungen hybrider Bedrohungen auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die Versorgungssicherheit zu begrenzen und ihnen effektiv entgegenzuwirken. Über bekannte Formen hybrider Bedrohungen hinaus müssen durch eine vorausschauende Analyse möglicher Angriffsmotivationen und -ziele im Zusammenhang mit geopolitischen Veränderungen auch neue Methoden der Einflussnahme sowie deren Zusammenspiel im Rahmen hybrider Kampagnen in den Blick genommen werden. Ziel muss es sein, mit geeigneten Methoden die Sicherstellung der staatlichen Handlungsfähigkeit, die Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die Aufrechterhaltung der Versorgung und die Stärkung des Vertrauens der Bevölkerung in staatliche Strukturen zur Bewältigung von Krisen und Schadenslagen zu fördern.