Bevölkerungsschutz stärken
Ein umfassender Bevölkerungsschutz, der die Menschen in allen Gefahrensituationen unterstützt, ist eine zentrale Aufgabe des Staates und erfordert effiziente Strukturen sowie eine gute Ausstattung der Einsatzkräfte. Er umfasst die Vorsorge, unter anderem durch die Analyse und das Management von Risiken, die Vorbereitung auf Krisen und Katastrophen sowie deren Bewältigung durch die effektive Zusammenarbeit aller relevanten staatlichen und privaten Akteure.
Wie gut eine Bevölkerung geschützt ist, entscheidet sich bereits, lange bevor ein Krisen- und/oder Katastrophenereignis eintritt. Wenn Risiken immer besser verstanden werden, können zielgerichtete vorsorgende Aktivitäten deren mögliche Auswirkungen abfedern oder im Idealfall sogar komplett verhindern. Kann das Risiko selbst nicht beeinflusst werden, muss Forschung Ansätze finden, um Anfälligkeiten zu verringern. Diese können sowohl in der Stärkung einer resilienten Gesellschaft als auch in einer Anpassung der natürlichen und menschengemachten Umwelt liegen. Absolute Sicherheit ist jedoch auch mit einem guten Risikomanagement unmöglich zu erreichen.
Daher umfasst der Bevölkerungsschutz auch umgehende Hilfe, zum Beispiel in der Folge von kurzfristig auftretenden Extremwetterereignissen oder nach der unmittelbaren Freisetzung von chemischen und biologischen Gefahrenstoffen. Auch für lang anhaltende und gleichzeitig auftretende Schadensereignisse, die zu vielfältigen und weitreichenden Störungen und Systemausfällen führen, wie dem Ausfall der Stromversorgung oder von Kommunikationsmitteln, müssen Lösungen gefunden werden. Im Kontext der veränderten Sicherheitslage gilt es zukünftig auch, Aspekte der zivilen Verteidigung (nicht militärische Maßnahmen im Rahmen der Gesamtverteidigung, die sich auf Art. 73 Abs. 1 Nr. 1 GG beziehen) aktiv zu adressieren. Forschung kann hier helfen, neuartige Lösungsansätze zu generieren, die vor allem zur Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktionen, zum Schutz der Bevölkerung im Zivilschutzfall und zur umfassenden Versorgung von Bevölkerung und Streitkräften mit notwendigen Gütern und Leistungen beitragen.
Ein ganzheitlich angelegter Bevölkerungsschutz ist auf die enge Kooperation staatlicher Institutionen mit Hilfsorganisationen, der Bevölkerung, der Wirtschaft sowie der organisierten Zivilgesellschaft und den Medien angewiesen. Nur gemeinsam kann der Schritt von der Risikowahrnehmung hin zum vorsorgenden Handeln gelingen. Staatliche Institutionen schaffen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeiten die Grundlage für das Risikomanagement, steuern die für die Vorsorge zur Verfügung stehenden staatlichen Kapazitäten sowie die gemeinsame Vorbereitung auf und die Bewältigung von Krisen und Katastrophen. Insbesondere für die Bereitstellung ausreichender Kapazitäten zur Krisenbewältigung, die Notfallbevorratung, aber auch für die Schaffung von Strukturen, die die Zusammenarbeit aller Akteure sicherstellen, gilt es, gemeinsam Lösungen für effektive Kooperationsformen und innovative Unterstützungssysteme für die jeweilige Lagebewältigung zu erarbeiten. Dabei sind auch die Schnittstellen zwischen zivilen und militärischen Akteuren zu berücksichtigen. Forschung hilft hier, neuartige Ansätze für die effiziente Zusammenarbeit auf allen Ebenen sowie ein ebenen- und zuständigkeitsübergreifendes Risikomanagement zu ermöglichen. Auch die herausragende Rolle der Bevölkerung als aktiver Helfer im Krisen- und Katastrophenfall sowie die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen allen für den Bevölkerungsschutz relevanten Akteuren, sozialen Strukturen und Infrastrukturen sind im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten
einzubeziehen.
Komplexe Krisenlagen, ebenso wie langfristige gesellschaftliche Veränderungen, wirken sich unmit telbar auf die Einsatzfähigkeit der Akteure im Bevölkerungsschutz aus. Hier müssen zukunftsfähige Konzepte und Strukturen geschaffen werden, damit Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben auch unter kritischen Einsatzbedingungen handlungsfähig bleiben. Die zivile Sicherheitsforschung trägt dazu bei, dass durch die Entwicklung innovativer Einsatzmittel alle Akteure, auch die überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräfte vor Ort, bestmöglich ausgestattet und unterstützt werden.
Ziel des Handlungsfeldes „Bevölkerungsschutz stärken“ ist es somit, Ansätze zu entwickeln, die die Vorsorge und Bewältigung von Krisen- und Katastrophenlagen in den Blick nehmen. Die starken Wechselwirkungen zwischen den technischen und sozialen Strukturen unserer Gesellschaft erfordern dabei eine ganzheitliche, sektor- und ebenenübergreifende Betrachtung zukünftiger soziotechnischer Systeme im Bevölkerungsschutz.