Online-Konferenz des Fachdialogs Sicherheitsforschung "Zivile Sicherheit im demokratischen Staat"

Mit über 360 registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand am 22. und 23. April 2021 die Online-Konferenz des Fachdialogs Sicherheitsforschung statt. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann die Videos aller Sessionen und Panels noch bis zum 31. Juli 2021 auf der Konferenz-Webseite ansehen.

Menschen mit Verbindungslinien von oben

Orbon Alija via Getty Images

Dynamiken von Filterblasen und Verschwörungserzählungen, die Rolle von Expertenwissen in der Demokratie, Bedrohungen durch Rechtsextremismus und -terrorismus: All diese Themen und vieles mehr standen im Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz des Fachdialogs Sicherheitsforschung. Die zahlreichen Vorträge und Diskussionsbeiträge hatten dabei gemeinsam, dass es dabei stets auch um Grundsatzfragen ging: Mit wieviel Unsicherheit wollen wir als demokratische Gesellschaft leben? Worauf sind wir für mehr Sicherheit zu verzichten bereit?

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek betonte in ihrem Grußwort zur Eröffnung der Konferenz, dass angesichts von Ereignissen wie Naturkatastrophen, Terrorismus, Kriminalität und eben auch Pandemien, deren Folgen die Menschen in unserem Land hart träfen, die zivile Sicherheitsforschung uns Grund gebe, zuversichtlich zu sein. Weiter führte Karliczek aus, dass eine Krise immer auch eine Chance sei, weshalb das BMBF gleich zu Beginn der Pandemie ein Zukunftspaket über viele Milliarden aufgelegt habe, das einen ganz klaren Fokus auf Zukunftstechnologien legt. Zudem bedankte sie sich bei den Akteuren der zivilen Sicherheitsforschung, „denn zivile Sicherheitsforschung macht ein gutes, ein sicheres Leben für jeden Menschen in diesem Land möglich“, so Karliczek. 

Im Anschluss an das Grußwort der Ministerin referierte Prof. Dr. Hans Vorländer zur Frage „Wie belastbar ist die Demokratie?“ und erläuterte, inwiefern Demokratien bzw. ihre Institutionen, Akteure und Verfahren in Krisen unter Druck geraten können. Dabei ging er auch auf bereits seit längerem beobachtbare Transformationen des demokratischen Systems ein. Prof. Dr. Ilona Otto gab in ihrer Keynote einen Einblick in „Kaskadierende Risiken des Klimawandels“ und deren gesellschaftliche Auswirkungen. Dabei erörterte sie u.a., wie wirksame politische Antworten zur Stärkung der globalen Resilienz und somit zur Sicherheit von Gesellschaften formuliert werden können.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Journalistin Elif Şenel aus der historischen Heeresbäckerei in Berlin-Kreuzberg. Diese war für die Veranstaltung zum Fernsehstudio umgebaut worden und diente auch als Bühne für einen weiteren Programmhöhepunkt, nämlich die Podiumsdiskussion „Zivile Sicherheit im demokratischen Staat. Krisenerfahrungen und Zukunftsperspektiven“ am zweiten Konferenztag. Mit dabei waren hier Prof. Dr. Ina Schieferdecker (Leiterin der Abteilung „Forschung für technologische Souveränität und Innovationen“ beim BMBF), Karolin Schwarz (Autorin), Maja Smoltczyk (Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit), Dr. Thorsten Thiel (Leiter der Forschungsgruppe „Demokratie und Digitalisierung“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, Berlin) und Prof. Dr. Joseph Vogl (Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der HU Berlin). Diskutiert wurden hier unter anderem aktuelle Fragen zur technologischen Souveränität Europas.

Die drei parallel, an beiden Tagen stattfindenden Sessionssäulen der Konferenz widmeten sich jeweils unterschiedlichen Themenkomplexen, aus denen hier einige Beiträge exemplarisch vorgestellt werden:

In der ersten Säule „Demokratie und Krise“ machten Prof. Dr. Christoph Gusy und Prof. Dr. Claus Leggewie im Panel „Akteure und Institutionen“ den Anfang. Professor Gusy führte aus juristischer Perspektive aus, inwiefern die Demokratie pandemiebedingt aktuell einem Stresstest ausgesetzt ist; Professor Leggewie hingegen warnte mit Blick auf das Leitthema der Säule vor Bedrohungen der Meinungs- und Kunstfreiheit durch Rechtspopulismus und Identitätspolitik.

Parallel dazu fand in der zweiten Themensäule „Krisendiskurs im gesellschaftlichen Wandel“ ein Panel „Filterblasen und Verschwörungen“ mit Prof. Dr. Carsten Reinemann und Dr. Lena Frischlich statt. Professor Reinemann stellte aktuelle Forschungsergebnisse zu Echokammern, Falschinformationen und Mediennutzung im Internet vor; Frau Doktor Frischlich gab im Anschluss daran Einblicke in Verschwörungserzählungen und erläuterte dabei auch die Rolle von sozialen Medien und sogenannter alternativer Nachrichtenmedien.

Die dritte Säule der Konferenz, die unter dem Motto „Die BOS im demokratischen Staat“ stand, widmete sich im ersten Panel mit Dr. Andreas Folkers, Kevin Hall, Klaus Scheuermann und Prof. Dr. Sven Opitz dem Thema „Organisationen in der Krise“. Doktor Folkers referierte zu Notfallbevorratung als Sicherheitstechnik; Herr Hall, Herr Scheuermann und Professor Opitz nahmen im Anschluss eine detaillierte Betrachtung der Gesundheitsämter in der Pandemie vor. Das Publikum beteiligte sich in allen Panels rege über die Fragefunktion an der Diskussion.

  

Videoaufzeichnungen der Konferenz: Sie konnten die Veranstaltung nicht verfolgen oder möchten einzelne Vorträge noch einmal anhören? Kein Problem: Alle Programmpunkte der Konferenz wurden vollständig per Video aufgezeichnet und stehen Ihnen ab sofort bis Ende Juli 2021 hier unter dem Menüpunkt "Aufzeichnungen" zur Verfügung. Ebenfalls bis Ende Juli haben Sie auf der Konferenz-Plattform noch die Möglichkeit, sich in der digitalen Poster-Ausstellung umzusehen und mehr über aktuell laufende Forschungsprojekte der zivilen Sicherheitsforschung zu erfahren. Auch die Beiträge der BMBF-Nachwuchsforschergruppen zur Konferenz finden Sie weiterhin in der Rubrik „NWG-Ausstellung“.

Wichtiger Hinweis: Um Zugang zu den Videos zu erhalten, müssen Sie für die Konferenz registriert sein. Eine Registrierung ist auch im Nachgang der Veranstaltung noch kostenfrei hier möglich.

Jahrestreffen des Graduierten-Netzwerks „Zivile Sicherheit“ zum Thema „Sicherheit und Technik“ am 21. April 2021 

Am Vortag der Konferenz, dem 21. April 2021, fand  ebenfalls als Online-Veranstaltung das Jahrestreffen des Graduierten-Netzwerks „Zivile Sicherheit“ statt. Im Rahmen eines Workshops zum Themenschwerpunkt „Sicherheit und Technik“ ging es um folgende Aspekte: Die erste Session setzte sich mit den Chancen und Risiken von Videoüberwachung im öffentlichen Raum auseinander, die zweite Session beschäftigte sich mit den Auswirkungen von Stromausfällen und „Blackouts“ in der digitalen Welt und in der dritten Session wurden technische, rechtliche und gesellschaftliche Herausforderungen im Bereich der maritimen Sicherheit diskutiert. Einen detallierten Nachbericht zum Jahrestreffen finden Sie hier.

Das Graduierten-Netzwerk „Zivile Sicherheit“ ist ein offener, selbstorganisierter Kreis von Nachwuchsforschenden, Postdocs und Nachwuchskräften, die im Rahmen der BMBF- und EU-Programme zur zivilen Sicherheitsforschung oder auch in anderen Kontexten zu Themen der zivilen Sicherheit arbeiten. Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen, an den Treffen des Netzwerks teilzunehmen.