InREAKT: Integrierte Hilfe-Reaktionsketten zur Erhöhung der Sicherheit des ÖPNV

Busse und Bahnen werden als Verkehrsmittel immer beliebter. Zu später Stunde fühlen sich manche Fahrgäste aber unwohl. Das Projekt InREAKT ging der Frage nach, wie sicher Menschen vor Übergriffen in Bus und Bahn sind – und wie kriminelle Vorfälle verhindert werden können. Um Fahrgäste besser zu schützen, erarbeiteten Forscherinnen und Forscher aus dem Verbundprojekt InREAKT ein automatisiertes Alarmsystem. Das System sollte anhand von Videos und Geräuschsensoren Gefahrsituationen erkennen. Es sollte dazu beitragen, dass Notfälle erkannt werden und Menschen vor Ort schnelle Hilfe erhalten.

Auszeichnung

BMBF-Forschungsprojekt InREAKT mit Deutschem Mobilitätspreis 2017 ausgezeichnet!

    

Schnelle Hilfe bei Gefahrsituationen in Bus und Bahn

Motivation

In der Stadt nutzen viele Menschen schon morgens die S- oder U-Bahn, um pünktlich zur Arbeit zu kommen – abends fahren sie mit Bus oder Bahn zum Sport oder zu einem Konzert. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist das Rückgrat der städtischen Mobilität. Jedoch können Gewalt, Sachbeschädigungen und Vandalismus in Bussen und Bahnen sowie an Haltestellen dazu führen, dass sich Fahrgäste – insbesondere nachts – unsicher fühlen oder öffentliche Verkehrsmittel sogar meiden. Auch für Fahrer, Fahrscheinkontrolleure oder Sicherheitskräfte besteht die Gefahr, in kritische Situationen zu geraten. In solchen Fällen muss schnellstmöglich Hilfe geleistet werden.

Das Forschungsprojekt

Die Sicherheit von Fahrgästen sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe soll erhöht werden. Das war Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Integrierte Hilfe-Reaktionsketten zur Erhöhung der Sicherheit des ÖPNV (InREAKT)“ unter Leitung der Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen e. V. (STUVA). Der Ansatz bestand darin, ein effektives technisches Notfall-Management-System zu erforschen, das bei drohenden Gefahren automatisch die Leitstelle von Verkehrsbetrieben informiert – ohne jedoch in den Datenschutz oder die persönlichen Rechte der Fahrgäste einzugreifen.

Die Forschungspartner von InREAKT haben dafür ein in weiten Teilen automatisiertes Assistenzsystem erarbeitet, das anhand optischer, akustischer und mechanischer Sensoren beispielsweise Gefahrensituationen wie Schlägereien erkennen kann. Es registriert auch, ob eine Person bewusstlos am Boden liegt, in der Bahn ein verdächtiges Objekt zurückgelassen wird oder ob Personen an einer Haltestelle das Mobiliar zerstören. Dann wird ein Alarm automatisch an die Leitstelle übertragen. Hier überprüfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Situation, etwa durch eine Kontaktaufnahme mit dem Fahrpersonal. Bei Gefahr verständigt die Leitstelle das Sicherheitspersonal oder die Polizei. Des Weiteren haben die Forschungspartner eine App für Mobiltelefone entwickelt, mit der Fahrkartenkontrolleure oder andere Fahrgäste schnell und unauffällig Hilfe anfordern können.
Die InREAKT-Lösung wurde von Anfang an so entwickelt, dass sie allen datenschutzrechtlichen Anforderungen und auch den Ansprüchen der Fahrgäste genügt. So findet keine Speicherung von Daten statt: Das den Sensoren nachgelagerte System interpretiert die Lage und greift dabei auf abstrahierte Modelle zurück, die keinerlei Rückschlüsse auf Alter, Geschlecht oder Ethnie zulassen. Das Assistenzsystem dient daher auch nicht der Beweissicherung, sondern alarmiert im Ernstfall.

Das Vorhaben InREAKT wurde im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ vom Bundesforschungsministerium von 2013 bis 2016 mit rund 2,75 Millionen Euro gefördert. Beteiligt waren als Forschungspartner neben dem Koordinator STUVA e. V. das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin, die Innovative Informatikanwendungen in Transport-, Verkehrs- und Leitsystemen GmbH in Karlsruhe, die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH in Neubrandenburg, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie die Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH.

Ausblick – Verbundprojekt InREAKT mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2017 ausgezeichnet

Im September 2016 stellten die Forschungspartner auf ihrer Abschlusskonferenz beim Praxispartner Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) einen Demonstrator vor. Dabei handelt es sich um ein Stadtbahnfahrzeug, in das Neuentwicklungen in Form von optischer und akustischer Sensorik, eine Sicherheits-App für Fahrgäste und Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen sowie ein Arbeitsplatz in einer Sicherheitsleitstelle eingebaut waren. Darüber hinaus wurde auch eine innovative Low-Budget-Sensorik zum Erkennen von Vandalismus an Haltestellenmobiliar vorgestellt.

Im Juli 2017 wurde das Projekt InREAKT mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet. Im Rahmen des Wettbewerbs prämierten die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wegweisende Best-Practice-Projekte mit dem Schwerpunktthema Sicherheit. Das Projekt InREAKT wurde aus 170 Einreichungen ausgewählt, weil es aus Sicht der Jury gezeigt hat, „wie der digitale Wandel der Mobilität so vorangebracht werden kann, dass Menschen und Güter in Zukunft noch intelligenter und sicherer unterwegs sein können“. InREAKT stellt nach Ansicht der Jury „ein leuchtendes Beispiel für den Standort Deutschland“ dar.

Marktreif ist das Sicherheits-Assistenzsystem aus dem Projekt InREAKT jedoch noch nicht. Hierzu werden weitere Partner aus der Praxis benötigt. Daher bitten die Forschungspartner interessierte Verkehrsunternehmen, sich über ein Kontaktformular mit der STUVA in Verbindung zu setzen.

   

Abschlusskonferenz

Impressionen der Abschlusskonferenz - Plenum

Impressionen der Abschlusskonferenz - Plenum

Julia Nass

Impressionen der Abschlusskonferenz - Plenum

Impressionen der Abschlusskonferenz - Plenum

Julia Nass

Impressionen der Abschlusskonferenz - Leitstelle

Impressionen der Abschlusskonferenz - Leitstelle

Julia Nass

Impressionen der Abschlusskonferenz - Optische Sensoren

Impressionen der Abschlusskonferenz - Optische Sensoren

Julia Nass

   

Video: (nicht barrierefrei)

U-Bahn-Haltestelle

Sicherheit im ÖPNV - Film zum Projekt InREAKT
Beitrag aus dem HR-Fernsehen "Alles wissen", 21.09.2016

iStockphoto.com/elku

    

Weiterführende Informationen zum Verbundprojekt

Förderkennzeichen 13N12962 bis 13N12967

Projektlaufzeit 10/2013 - 09/2016

Projektumriss InREAKT (pdf-Datei)

   

Abschlussberichte der Teilvorhaben:

Teilvorhaben 13N12962: Gesamtkonzept, Interventionsmaßnahmen und Ergebnisverbreitung (Studiengesellschaft für Unterirdische Verkehrsanlagen e.V. (STUVA), Köln)

Teilvorhaben 13N12963: Selbstlernendes Ereignis-Management-System (INIT Innovative Informatikanwendungen in Transport-, Verkehrs- und Leitsystemen GmbH, Karlsruhe)

Teilvorhaben 13N12964: Integriertes Datensystem mit Mobile Management Solution für InReakt (INFOKOM Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH, Neubrandenburg)

Teilvorhaben 13N12965: Gefahrendetektion mittels Analyse von Verhaltens- und Szenenmustern (Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK), Berlin)

Teilvorhaben 13N12966: Psychologische Betrachtung - Akzeptanzanalyse, Sicherheitsempfinden, Informationsmanagement (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Teilvorhaben 13N12967: Endnutzer-Anforderungen und Realisierung des InREAKT-Demonstrators (VBK - Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH)