Forschung für mehr Sicherheit in der Stadt

Ein Großteil der Menschen in Deutschland lebt in Städten. Knapp die Hälfte davon ist in Ballungszentren zu Hause. Die Vernetzung und Verdichtung von Infrastrukturen in Städten, wie der öffentliche Nahverkehr, Flughäfen, Bahnhöfe bis hin zu Einrichtungen der Gesundheitsversorgung eröffnen neue Chancen für Wirtschaft und Wohlstand, aber sie führen auch zu Verwundbarkeiten. Zu den Aufgaben von Kommunen, Ländern und Bund gehört es, Sicherheit zu gewährleisten und Vorkehrungen dafür zu treffen, dass die Bürgerinnen und Bürger auch im Krisen- und Katastrophenfall bestmöglich geschützt und versorgt werden.

Urbane Sicherheit im Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“

Bewilligte Projekte aus der Bekanntmachung "Urbane Sicherheit"

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Urbane Sicherheit ist ein wichtiger Schwerpunkt im Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die zivile Sicherheitsforschung trägt dazu bei, die Bevölkerung sowie die Strukturen und Prozesse so vorzubereiten, dass sie weniger verletzlich gegenüber Katastrophen sind und schneller auf unvorhergesehene kritische Situationen reagieren können.

Ein Beispiel dafür ist eine neu erarbeitete App. Mit dieser können insbesondere in Städten Helferinnen und Helfer mit passenden Qualifikationen bei Katastrophen schnell gerufen werden – wenn sie sich in der Nähe aufhalten. Ein weiteres Beispiel ist eine spezielle Kommunikationsstrategie mit Fußballfans, die dazu dient, die Sicherheit in den Stadien zu erhöhen. Des Weiteren haben Forschungspartner Leitfäden für Städte erarbeitet, damit diese mit Ordnungsteams aus Polizei, Wohnungseigentümern, Kommunen und Anwohnern Unsicherheiten beseitigen helfen und die Sicherheit erhöhen können.

Für eine gerechtere Verteilung von Sicherheit in der Stadt: Das Vorhaben "VERSS"

Aspekte einer gerechten Verteilung von Sicherheit in der Stadt

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Mit dem Projekt „Aspekte einer gerechten Verteilung von Sicherheit in der Stadt (VERSS)“ schließt das letzte aus einer Reihe von Forschungsvorhaben zur Urbanen Sicherheit seine Arbeiten erfolgreich ab. Die Forschungspartner in VERSS haben unter Leitung des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen untersucht, wie Städte gleichermaßen Sicherheit für alle schaffen können. Zur Präsentation der Ergebnisse trafen sich die Projektpartner Ende Juni 2017 in Wuppertal.

Nur wer sich in seiner/ihrer Stadt sicher fühlt, lebt dort gern. Ob sich Menschen in der Innenstadt oder im Wohnquartier sicher fühlen, hängt von vielen Faktoren ab: Zum Beispiel davon, wie gut ausgeleuchtet und überschaubar öffentliche Plätze sind. Oder davon, wie schnell Rettungskräfte bei einem Notfall vor Ort sein können. Die Forschungsarbeiten im Projekt VERSS zeigen, dass Sicherheit nicht immer in allen Stadtvierteln gleich ausgeprägt ist.

Praxisnahe Leitlinien für städtische Akteure

Die Forschungspartner haben gemeinsam mit Praktikern aus den Sozialen Ordnungspartnerschaften der Stadt Wuppertal, der Sicherheitspartnerschaft in Stuttgart, dem Deutschen Präventionstag und dem Deutsch-Europäischen Forum für Urbane Sicherheit konkrete und praxisnahe Leitlinien erarbeitet. Zum Beispiel stehen städtische Akteure vor der Herausforderung, öffentliche Plätze, an denen sich viele obdachlose oder suchtkranke Menschen aufhalten, für alle Bürgerinnen und Bürger attraktiv zu gestalten. Um zu erreichen, dass ein Ort von unterschiedlichen Gruppen genutzt wird, bieten sich nicht nur städtebauliche Maßnahmen an, sondern auch soziale Angebote, wie zum Beispiel ein Stadtviertelcafé oder eine Bibliothek.

Sicherheit für alle gleichermaßen herstellen

Die Leitlinien sollen städtische Akteure dazu anregen, über die Kriterien der Herstellung und Verteilung von Sicherheit in der Stadt nachzudenken. So müssen beispielsweise Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden, wenn Sicherheit im Einzelfall – etwa durch die Beauftragung von privaten Sicherheitsdiensten – zum käuflichen Gut wird oder wenn Sicherheit nur für eine bestimmte Gruppe von Anwohnern angestrebt wird. Aus ethischer Perspektive, so fassen die Forschungspartner die Ergebnisse des Projekts zusammen, steht Sicherheit jedem einzelnen Menschen gleichermaßen zu.

Das Themenfeld der städtischen Sicherheit wird jetzt mit Projekten zu dem Schwerpunkt „Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen“ weiterentwickelt.

Weitere Informationen auf der VERSS Projektseite