Bewilligte Projekte aus der Bekanntmachung "Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen"

In Deutschland und Frankreich lebt ein hoher Anteil der Bevölkerung in Städten und Ballungsräumen. Einerseits trägt die große Vielfalt an Freizeitaktivitäten und Kulturangeboten wesentlich zur Lebensqualität der städtischen Bevölkerung bei. Andererseits kann die hohe Infrastrukturdichte sowie Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur zu neuen Bedrohungen für die Bevölkerung führen, welche neuartige Sicherheitslösungen erfordern. Mit der Bekanntmachung "Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen" streben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Agence Nationale de la Recherche (ANR) die Förderung interdisziplinärer Forschungsprojekte an, die die Sicherheit in urbanen Räumen in Deutschland und Frankreich stärken.

Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen

Pavlo Vakhrushev/Fotolia.com

Mit der Bekanntmachung "Zukünftige Sicherheit in Urbanen Räumen" setzen BMBF und ANR die langjährig erfolgreiche bilaterale Kooperation auf dem Gebiet der zivilen Sicherheitsforschung fort. Auf diese Weise soll nicht nur die nationale Sicherheit in beiden Ländern gestärkt sondern auch ein Beitrag zur europäischen Sicherheitsarchitektur geleistet werden.

   

Laufende Forschungsprojekte:

DiverCity: Sicherheit und Vielfalt im Quartier

Städte sind von der Vielfalt der Bewohnerschaft geprägt.

ArTo/Fotolia.com

Förderkennzeichen: 13N14510 bis 13N14512

Immer mehr Menschen zieht es in urbane Lebensräume, weil sie dort ein breites kulturelles Angebot und berufliche Perspektiven finden. Nicht nur durch die neuen Einwohner, sondern auch durch demografische Entwicklungen verändern sich die Stadtquartiere. Dabei gewinnt die Sicherheit im Wohnumfeld im Zusammenhang mit der Wohnraumversorgung, Nachbarschaftsbildung, Integration von Zuwanderern usw. immer mehr an Bedeutung. Im Projekt DiverCity werden Konzepte erarbeitet, um ein sicheres Wohnumfeld und nachbarschaftliches Miteinander in Stadtquartieren zu erhalten oder herzustellen. Dazu werden mit Hilfe von Fallstudien Aspekte der Kriminalprävention sowie Maßnahmen erfasst, die die Bedürfnisse einer vielfältigen Nachbarschaft berücksichtigen und sich als integrationsfördernd sowie sicherheitsstärkend erweisen. Parallel erfolgen Kommunalbefragungen und Wohnungsmarktanalysen. Dadurch sollen Auswirkungen auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung und Veränderungen im Kriminalitätsgeschehen erkennbar werden. Positive Beispiele werden zu Handlungsempfehlungen aufbereitet, die auf weitere Kommunen übertragbar sind.

Weitere Informationen

   

DRUSEC: Umgang mit Drogen in der Öffentlichkeit - Herausforderungen für die Sicherheit in Städten

Subjektives Sicherheitsempfinden bildet nicht immer reale Risiken ab.

iStock.com/Waynerd

Förderkennzeichen: 13N14471 bis 13N14475

Angehörige offener Drogenszenen gelten durch ihr Erscheinungsbild und ihre prekäre Lebenssituation häufig per se als Sicherheitsrisiko. Die reale Gefahr, die von diesen Personen ausgeht objektiv einzuschätzen, ist jedoch oftmals schwierig. Das Projekt DRUSEC untersucht in Deutschland und Frankreich objektive Risiken und subjektiv gefühlte Gefahren in urbanen Räumen, in denen Drogen präsent sind. Ziel ist es, Sicherheitslagebilder zu erstellen, um potenzielle Gefahren zu identifizieren und subjektive Fehleinschätzungen offen zu legen. Es sollen Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Milieus erarbeitet werden, die von Alkohol- und illegalem Drogenkonsum geprägt sind.

Projektumriss DRUSEC (pdf-Datei)

   

NOLAN: Skalierbare Notfall-Logistik für urbane Räume als öffentlich-private Partnerschaft im Katastrophenfall

Das Projekt NOLAN untersucht neuartige Konzepte einer Notfalllogistik im Katastrophenfall.

Aleksandar Kosev/Fotolia.com

Förderkennzeichen: 13N14457 bis 13N14459

Die zuverlässige Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wie Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten ist ein Grundbedürfnis der Bevölkerung, welches in der Regel durch den Einzelhandel gedeckt wird. Kommt es durch Naturkatastrophen oder infrastrukturelle Störungen zu einem Ausfall der Handelslogistik, können staatliche Maßnahmen erforderlich sein, um die Versorgung zu sichern. Ziel des Projekts NOLAN ist es, ein ganzheitliches Konzept einer Notfalllogistik zu entwickeln, welches den Ausfall privatwirtschaftlicher Versorgungsstrukturen überbrückt. Durch die Zusammenarbeit von Behörden und privaten Unternehmen soll sowohl die Grundversorgung der Bevölkerung als auch der Informationsfluss zwischen den Akteuren sichergestellt werden. Parallel werden Rahmenbedingungen für eine Krisenkooperation zwischen Behörden und Unternehmen erarbeitet und hinsichtlich ihrer juristischen Ausgestaltung und Umsetzbarkeit geprüft.

Projektumriss NOLAN (pdf-Datei)

   

OPMOPS: Organisierte Umzüge und Demonstrationen im Öffentlichen Raum: Planung und Krisenmanagement bei hohem Konfliktpotenzial in Städten

Aus Versammlungen großer Menschenmengen können Gefahren entstehen.

Bikeworldtravel/Fotolia.com

Förderkennzeichen: 13N14561 bis 13N14565

Die Teilnahme an öffentlichen Demonstrationen und Kundgebungen sowie an langfristig geplanten Veranstaltungen wie Karnevalszügen und Musikparaden ist Ausdruck einer freiheitlichen und offenen Gesellschaft. Der Schutz solcher Versammlungen, die Unversehrtheit der Teilnehmer und die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit sind Herausforderungen für Ordnungskräfte und Veranstalter. Das deutsch-französische Gemeinschaftsvorhaben erarbeitet eine digitale Entscheidungshilfe, um Großveranstaltungen sicherer zu gestalten. Eine dreidimensionale Visualisierungssoftware analysiert das Geschehen in Echtzeit, errechnet Situationsprognosen und leitet Empfehlungen beispielsweise zu Personaleinsatz, Routenführung und Notfallplanung ab. Rechtliche Aspekte fließen von Beginn an in die Entscheidungsfindung ein und stellen die Angemessenheit der Handlungsoptionen sicher.

Projektumriss OPMOPS (pdf-Datei)

   

S2UCRE: Sicherheit in städtischen Umgebungen: Crowd-Monitoring, Prädiktion und Entscheidungsunterstützung

Untersuchung von Personenströmen bei Großveranstaltungen

iStock.com/MauricioFC

Förderkennzeichen: 13N14463 bis 13N14468

Bei öffentliche Veranstaltungen mit großen Besucherzahlen kann es schnell zu gefährlichen Situationen kommen. Bei der Übertragung des Finales der UEFA Champions League in Turin wurden zum Beispiel 1.500 Menschen verletzt, als durch Knallkörper eine Massenpanik entstand. Im Rahmen des Projektes S2UCRE soll ein Kameranetzwerk zur Erfassung von Personenmengen und zur Schätzung von Personendichten in urbanen Räumen aufgebaut werden. Diese Daten werden zusammen mit weiteren Werten zu Panikverhalten oder Gruppenprozessen für Simulationen und Kurzzeitprognosen von Massendynamiken genutzt. Dabei werden insbesondere die Aspekte des Datenschutzes der Veranstaltungsteilnehmer mit einbezogen. Mit Hilfe der Projektergebnisse soll es Veranstaltern und Sicherheitsbehörden ermöglicht werden, auf unerwartete Ereignisse noch gezielter reagieren zu können.

Projektumriss S2UCRE (pdf-Datei)

   

SiBa: Sicherheit im Bahnhofsviertel

Hauptbahnhof Leipzig mit benachbarten Stadtvierteln

iStock.com/querbeet

Förderkennzeichen: 13N14412 und 13N14413

Moderne Hauptbahnhöfe werden gerne als städtische Aushängeschilder betrachtet. Andererseits gelten großstädtische Bahnhofsviertel häufig als Anziehungspunkt für Rotlichtmilieu und Drogenszene und werden von der Bevölkerung als kriminalitäts- und problembelastet wahrgenommen. Ziel des Projektes SiBa ist es, neue Konzepte und Herangehensweisen zu entwickeln, um Bahnhöfe und ihr Umfeld sicherer zu gestalten. Dazu werden die Anwohner von Bahnhofsvierteln repräsentativ über die Situation in ihrem Wohnquartier befragt. Parallel finden Begehungen und Beobachtungen statt, um die Sicherheitssituation im jeweiligen Viertel zu dokumentieren. Aus der Analyse wird ein integriertes, praxistaugliches Präventions- und Handlungskonzept für die Stadtentwicklung und für die Umsetzung von kriminalpräventiven Maßnahmen in den jeweiligen Bahnhofsvierteln erstellt.

Weitere Informationen

    

SiQua: Sicherheitsanalysen und -vernetzung für Stadtquartiere im Wandel

Stadtquartiere spiegeln die Vielfalt ihrer Einwohner wider.

joyt/Fotolia.com

Förderkennzeichen: 13N14518 bis 13N14522

Deutschland hat eine lange und wechselhafte Migrationsgeschichte, die durch die Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylsuchenden, aber auch von Aussiedlern und „Gastarbeitern“ geprägt ist. Ziel des Projekts SiQua ist es, die Kompetenz von kommunalen Einrichtungen im Umgang mit Wandlungsprozessen in urbanen Räumen zu stärken. Mit Hilfe von vergleichenden Analysen, Fallstudien, Workshops und einer Befragung zu Sicherheitsbelangen werden kommunale Problemlagen in ausgewählten Stadtquartieren untersucht. Durch Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote werden kommunale Einrichtungen darauf vorbereitet, mit Wandlungsprozessen in Stadtquartieren umzugehen. Bereits im Laufe des Vorhabens soll in Dresden ein Pilotprojekt initiiert, um das Sicherheitsempfinden der Einwohner zu stärken.

Projektumriss SiQua (pdf-Datei)

   

Stadtsicherheit-3D: Bewertung und Verbesserung der urbanen Sicherheit mit Hilfe von semantischen 3D-Stadtmodellen

Die Gestaltung von öffentlichen Plätzen trägt maßgeblich zum Sicherheitsempfinden der Bevölkerung bei.

iStock.com/kalafoto

Förderkennzeichen: 13N14513 bis 13N14516

Demografen gehen davon aus, dass die Bevölkerung in deutschen Großstädten bis zum Jahr 2035 um 10 bis 15 Prozent wachsen wird. Im Rahmen des Projektes Stadtsicherheit-3D wird durch Interviews das aktuelle Vorgehen von Kommunen zur Bewertung der Sicherheit im öffentlichen Raum erhoben und wissenschaftlich validiert. Die Ergebnisse der Befragungen bilden die Grundlage zur Erstellung einer softwarebasierten Bewertungsmethode, die auf vorhandene 3-dimensionale Stadtmodelle angewendet werden kann. Dies ermöglicht eine automatisierte Bewertung der Sicherheit von städtischen Gebieten. Es werden konkrete Maßnahmen erarbeitet, mit deren Hilfe öffentliche Räume neu gestaltet werden können. Diese werden als Handlungsempfehlungen für kommunale Entscheider zusammengefasst.

Projektumriss Stadtsicherheit-3D (pdf-Datei)

     

SUSQRA: Schutz vor unkonventionellen Sprengvorrichtungen – Charakterisierung und quantitative Risikoanalyse

Sprengversuch des Bundeskriminalamts zur experimentellen Ermitt-lung des Schadensbildes einer unkonventionellen Sprengvorrichtung.

Bundeskriminalamt

Förderkennzeichen  13N14484 bis 13N14487

Selbstgebaute Sprengsätze unterschiedlichster Bauart und Größe können fast überall deponiert werden, weshalb sie eine vielschichtige Bedrohung darstellen. Um angemessene Sicherheitsmaßnahmen ergreifen zu können, muss das stark variierende Gefahrenpotenzial selbstgebauter Sprengsätze realistisch bewertet werden. Ziel des Projekts SUSQRA ist es, ein Softwaresystem zu entwickeln, mit dem das zu erwartende Schadensausmaß von unkonventionellen Sprengvorrichtungen quantitativ ermittelt werden kann. Die Software soll für unterschiedlichste Klassen von Sprengsätzen mit beliebigen Geometrien einsetzbar sein und insbesondere die Wirkung von Splittern detailgetreu berücksichtigen. Zudem ist die Realisierung eines Analyse-Tools vorgesehen, mit dem die forensische Bewertung nach einem Ereignis effektiv unterstützt wird.

Projektumriss SUSQRA (pdf-Datei)

   

SUVEREN: Verbesserung der Sicherheit in unterirdischen städtischen Verkehrsbereichen bei Einsatz neuer Energieträger

SUVEREN untersucht die Sicherheit in öffentlichen unterirdischen Räumen bei der Verwendung von neuen Energieträgern

robsonphoto/Fotolia.com

Förderkennzeichen: 13N14391 bis 13N14393

Um Ressourcen zu schonen und CO2-Emissionen zu reduzieren, werden seit einiger Zeit alternative Fahrzeugantriebe entwickelt und verwendet. Obwohl die Zahl neu zugelassener Hybrid- und Elektroautos angestiegen ist, gibt es bislang kaum belastbare Untersuchungen, wie sich die neuen Energieträger, z. B. im Fall eines Brandes, verhalten. Das Projekt SUVEREN analysiert Risiken im Zusammenhang mit dem Einsatz alternativer Energieträger in unterirdischen Verkehrsbereichen, wie zum Beispiel Tiefgaragen oder Tunneln. Dazu wird u. a. das Brandverhalten von Batterien und Gasdruckbehältern sowie von in Fahrzeugen verbauten Verbundmaterialien untersucht. Wichtige Forschungsinhalte sind die Interaktion zwischen Rauchgasen und Löschmitteln sowie Möglichkeiten der Bekämpfung von z. B. Batteriebränden durch Sprinkler oder Wassernebellöschanlagen.

Projektumriss SUVEREN (pdf-Datei)

   

U-THREAT: Resilienz unterirdischer ÖPNV-Systeme zur Gewährleistung der Verfügbarkeit

U-THREAT untersucht, wie die Resilienz von unterirdischen Verkehrsnetzen weiter erhöht werden kann

kalafoto/Fotolia.com

Förderkennzeichen: 13N14446 bis 13N14449

In Großstädten und Metropolen kommt den unterirdischen Verkehrsnetzen der U-Bahnen eine besondere Bedeutung zu. Bereits kleine Störungen können jedoch zu großen Beeinträchtigungen in U-Bahn-Systemen führen. Daher ist es notwendig, die Resilienz von unterirdischen Verkehrsnetzen weiter zu erhöhen. Ziel des Projektes U-THREAT ist es, den Betrieb von U-Bahn-Systemen nach einem Schadensfall zuverlässig aufrechtzuerhalten bzw. schnell wieder aufzunehmen. Grundlage bildet ein Bewertungsschema, mit dem die Verwundbarkeit einzelner Abschnitte ermittelt werden kann. Darauf aufbauend werden Vorschläge für bauliche Maßnahmen ausgearbeitet, um diese Bereiche besser als bislang zu schützen. Des Weiteren wird ein Simulationswerkzeug geschaffen, mit dessen Hilfe bei Ausfall einer Strecke alternative Linienführungen bereitgestellt werden können.

Projektumriss U-THREAT (pdf-Datei)