Bewilligte Projekte aus der Bekanntmachung "Anwender–Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit"

Um Forschungsergebnisse möglichst praxisnah erarbeiten zu können, sind Anwender in Forschungsprojekte des Sicherheitsforschungsprogramms von Anfang an mit eingebunden. Um die Innovationsfähigkeit der Anwender in Deutschland und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis weiter zu stärken, hat das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung die Bekanntmachung "Anwender – Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit" veröffentlicht. Mit dieser Fördermaßnahme sollen Anwender zu einer verstärkten Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie zur Kooperation mit Unternehmen und wissenschaftlichen Partnern angeregt werden.

Bewilligte Projekte aus der Bekanntmachung "Anwender – Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit"

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Laufende Forschungsvorhaben:

ATHEBOS: Analyse taktisch-operativer Handlungsabweichungen im Einsatzgeschehen von BOS

Fehler im Einsatz können weitreichende Folgen haben.

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Förderkennzeichen 13N14432 bis 13N14434

Im Einsatz werden die Fehler der Einsatzkräfte häufig weder erkannt noch aufgezeichnet oder ausgewertet. Strukturierte Analysen und die Einführung einer professionellen Fehlerkultur bei BOS sind bislang wenig etabliert. Sie können jedoch dazu beitragen, Probleme frühzeitig zu erkennen und damit die Abläufe weiter zu verbessern. Ziel des Vorhabens ATHEBOS ist die Ermittlung und Auswertung taktisch-operativer Fehler im Einsatzgeschehen von Feuerwehren. Hierzu werden sowohl re­ale Einsätze untersucht, als auch gezielte Einsatzübungen abgehalten. Aus den Forschungsergebnissen werden Leitlinien zum Umgang mit Fehlern und zur Verbesserung der Fehlerkultur entwickelt.

Projektumriss ATHEBOS (pdf-Datei)

   

Brückenwächter: Automatisiertes Ausleit- und Kontrollsystem zum Schutz sanierungsbedürftiger Brücken

Alternde Brückenbauwerke können bei notwendigen Sperrungen zu erheblichen Verkehrsstörungen führen.

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Förderkennzeichen 13N14534 bis 13N14536

Immer mehr Güter, die zur Herstellung von Produkten notwendig sind, werden ohne Lagerhaltung „Just in Time“ angeliefert. Aber auch im täglichen Leben werden immer mehr Produkte über das Internet gekauft und durch Paketdienste individuell ausgeliefert. Als Folge steigt der Schwerlastverkehr auf deutschen Straßen. Dem stehen alternde Brückenbauten entgegen, die zunehmend der steigenden Verkehrsbelastung nicht mehr gewachsen sind. Das Verbundprojekt Brückenwächter erforscht eine interaktive Verkehrsbeschilderung, mit deren Hilfe geschädigte Brückenbauwerke effektiv vor Schwerlastverkehr geschützt werden können, ohne dass dazu erhebliche Personalmittel von Ordnungsbehörden eingesetzt werden müssen. Hierzu wird ein energieautarkes transportables System entwickelt, welches die Identifizierung einzelner LKW ermöglicht und bei einem Verstoß gegen ein Überfahrungsverbot über LED-Straßenschilder die Fahrer individuell anspricht.

Projektumriss Brückenwächter (pdf-Datei)

   

INSITU: Optimierung der Strafverfolgung durch Mobilcomputer-basierte Vor-Ort-Beschreibung komplexer Auffindesituationen

Den gesamten Tatort lückenlos zu erfassen und zu dokumentieren stellt die Polizei immer wieder vor neue Herausforderungen.

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Förderkennzeichen  13N14813 bis 13N14814

Nach einem Anschlag oder Einbruch wird im Rahmen der polizeilichen Ermittlungstätigkeit der Tatort erfasst und dokumentiert. Die Anforderungen an die Tatortarbeit sind dabei hoch, da jede Situation vor Ort anders ist und Zeitdruck eine einheitliche, verlustfreie Dokumentation erschwert. Im Vorhaben INSITU wird ein Dokumentationssystem entwickelt, das die vollständige digitale Erfassung und Verarbeitung aller Informationen eines Tatorts ermöglicht. Durch automatisch gespeicherte Zusatzinformationen, wie Aufnahmezeitpunkt oder -position, können die Daten aus unterschiedlichen Datenquellen, wie Fotos, Audioaufnahmen oder Notizen, intelligent miteinander verknüpft werden. Perspektivisch soll mit dem INSITU-System die Umstellung von der aktenbasierten Dokumentation zu einer modernen digitalen Dokumentation gelingen.

Projektumriss INSITU (pdf-Datei)

   

mobiLaS: Mobiles Laser-Schneidsystem zur Unterstützung der USBV-Entschärfung und Beweissicherung

Untersuchung eines verdächtigen Gegenstands durch Spezialkräfte der Polizei.

Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen

Förderkennzeichen  13N14489 bis 13N14491

Immer wieder stehen herrenlose Gepäckstücke an Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen oder Gebäuden. Bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte auf eine unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) stehen die Entschärfer vor der Herausforderung, das Objekt am Einsatzort eingehend zu untersuchen, um eine belastbare Aussage zum möglichen Gefährdungspotenzial treffen zu können. Ziel des Verbundprojekts mobiLaS ist die Entwicklung eines mobilen Laserschneidsystems, mit dem Entschärfer verdächtige Objekte sicher und beweisschonend öffnen können. Das System soll es ermöglichen, die Umhüllungen der vermeintlichen USBV kontrolliert zu zertrennen und anschließend zu entfernen, so dass die Spezialisten einen direkten Zugang zur Gefahrenquelle erhalten.

Projektumriss mobiLaS (pdf-Datei)

  

NE-Offensive: Erforschung eines antimikrobiell ausgerüsteten Notaufnahmeraums

Antimikrobiell ausgerüstete Notaufnahmeräume könnten die Ausbreitung von Krankenhausinfektionen verhindern

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Förderkennzeichen 13N14389 und 13N14390

Das Auftreten von Krankenhausinfektionen und die damit verbundene Entwicklung multiresistenter Erreger haben in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen. Etwa 10.000 bis 15.000 Patienten sterben in Deutschland jährlich an diesen Infektionen. Das Verbundprojekt NE-Offensive strebt deshalb die Entwicklung dauerhaft antimikrobiell wirkender Beschichtungen für Oberflächen an. Diese sollen die umfangreichen und zeitintensiven durchzuführenden konventionellen Hygienemaßnahmen wirkungsvoll ergänzen, welche insbesondere in stark frequentierten Bereichen wie Notaufnahmeräume in Krankenhäusern angewandt werden müssen.  Ziel ist, die Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern im Krankenhaus zu vermindern.

Projektumriss NE-Offensive (pdf-Datei)

     

RAUPE: Robustes Außen-Mikrofonarray für den polizeilichen Einsatz

Akustische Überwachung

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Förderkennzeichen 13N14450 bis 13N14452

Für die Terrorismusabwehr und Strafverfolgung stehen den Polizeien des Bundes und der Länder auf Basis gesetzlicher Eingriffsbefugnisse verschiedene Werkzeuge und Methoden zur Verfügung. Für bestimmte Szenarien sind für die Strafverfolgungsbehörden technische Unterstützungssysteme, wie zum Beispiel in einem definierten räumlichen Abstand zueinander angeordnete Mikrofone, erforderlich. Im Verbundprojekt RAUPE wird ein robustes Aufnahmesystem erforscht, welches einerseits die Aufnahmequalität verbessert, andererseits die Aufnahme von Gesprächen Unbeteiligter deutlich reduziert. Damit soll die Polizei besser auf Bedrohungen des internationalen Terrorismus reagieren können und gleichzeitig Unbeteiligte schützen.

Projektumriss RAUPE (pdf-Datei)

   

RISKANT: Risikoanalyse bei islamistisch motivierten Tatgeneigten

RISKANT soll die Arbeit von Ermittlungsbehörden dabei unterstützen, das Risiko für die Begehung schwerer Gewalttaten besser zu beurteilen.

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Förderkennzeichen  13N14460 bis 13N14462

In jüngster Vergangenheit wurden in Europa islamistisch motivierte Anschläge verübt, bei denen Menschen getötet wurden. Die Zahl gewaltbereiter Salafisten stellt die Polizei vor die Herausforderung, das von ihnen ausgehende Risiko sachgerecht zu beurteilen und zielgerichtete Maßnahmen einzuleiten, um die Gefahr schwerer Gewalttaten zu reduzieren. Ziel des Projektes RISKANT ist die Entwicklung eines Analyse-Systems, mit dem das Risiko für die Begehung einer schweren Gewalttat beurteilt werden kann. Es wird zwei Stufen beinhalten, wobei zunächst eine Risikobeurteilung auf Basis von standardisierten Fragen erfolgt. In der zweiten Stufe werden die im ersten Schritt als mit hohem Risiko beurteilten Personen einer einzelfallorientierten Betrachtung unterzogen.

Projektumriss RISKANT (pdf-Datei)

    

SIRIUS: Simulationsbasierte Gefährdungsanalyse im urbanen Raum für Einsätze des Kampfmittelräumdienstes

Mögliche 3D Visualisierung des Fundortes eines Blindgängers.

CADFEM International GmbH

Förderkennzeichen: 13N14640 bis 13N14642

In den Weltkriegen wurden rund 1,3 Millionen Tonnen Bomben über dem Bundesgebiet abgeworfen. Im Jahr 2016 wurden alleine in Nordrhein-Westfalen 238 Blindgänger gefunden. Da sie auch jetzt noch eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung darstellen, wird die Umgebung des Fundortes bei der Entschärfung weiträumig evakuiert. Im Verbundprojekt SIRIUS wird ein Software-Werkzeug zur fundortspezifischen Gefährdungsanalyse für die Entschärfung von Fliegerbomben erarbeitet. Als Grundlage dienen 3D-Stadtmodelle in Kombination mit physikalischen Simulationen für die Ausbreitung der Druckwelle und des Splitterfluges. Die Projektergebnisse werden die Kampfmittelbeseitigungsdienste in die Lage versetzen, in kurzer Zeit und vor Ort den Gefahrbereich um den Fundort eines Blindgängers genau zu bestimmen. Dies kann dazu führen, dass weniger Menschen evakuiert und wichtige Infrastrukturen nicht geschlossen werden müssen.           

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