4A/B Analoge und digitale Kompetenzen – Auswirkungen für Einsatzkräfte

Mittwoch, 20. Juni 2018, 9:00 - 10:30 Uhr

Raum: Moskau A+B

    

Zusammenfassung

Einsatzkräfte befinden sich aktuell im Zwiespalt. Einerseits arbeiten sie verlässlich mit analogen Hilfsmitteln und anderseits wird eine große Anzahl von digitalen Hilfsmitteln entwickelt, um ihre Arbeit zu unterstützen. Neue, digitale Sicherheitstechnologien bedeuten allerdings nicht automatisch und unmittelbar mehr Einsatzkompetenz und -effizienz. In der Session „Analoge und digitale Kompetenzen – Auswirkungen für Einsatzkräfte“ standen die mit der Digitalisierung einhergehenden, veränderten Anforderungen an Kommunikation, Einsatz und Organisation von Endanwendern im Mittelpunkt. Die Säulen A und B des Innovationsforums wurden zu diesem Thema für eine gemeinsame Podiumsdiskussion zusammengeführt. Unter Moderation von Sabrina Ellebrecht und Roman Peperhove und in Einbeziehung des Publikums diskutierten Prof. Dr. Natascha Adamowsky, Prof. Dr. Stefan Jarolimek, Prof. Dr. Peer Rechenbach und Gerold Reichenbach, MdB a. D.

Im Fokus der Debatte stand zunächst, dass mit Entwicklungen der Digitalisierung eine neue Kommunikations- und Einsatzumgebung für Organisationen des Zivilschutzes einhergeht. Die erhöhte Abhängigkeit von vernetzten Geräten und komplexen Systemen kann somit selbst zur kritischen Infrastruktur werden. In Bezug auf Lagebilder bedeutet Digitalisierung beispielsweise die Ergänzung um Informationen aus sozialen Medien; gleichzeitig birgt die große Menge an potentiell zur Verfügung stehenden Daten neue Selektionsprobleme für die Arbeit von Rettungskräften. Die potentiell rapide Verbreitung von „Fake News“ und Gerüchten im Netz stellt zudem erhöhte Anforderungen an die Kommunikation von Endanwendern mit der Bevölkerung in einem Krisen- oder Notfall. Es wurde betont, dass bei der Nutzung von sozialen Medien durch Polizeien und Rettungsdienste jeweils lokalspezifische Besonderheiten für das Gelingen der Kommunikation zu berücksichtigen sind. In Hinblick auf den Stil von „Posts“ auf Portalen wie Facebook oder Twitter ist Fingerspitzengefühl und Erfahrungswissen für den Umgang mit der Bevölkerung gefragt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion bezog sich auf die Vermittlung geeigneter Kompetenzen, um den digitalen Transformationsprozess konstruktiv zu gestalten. Die rapide Entwicklung der Digitalisierung bedingt, dass Aus- und Weiterbildungsorganisationen für Einsatzkräfte den Umgang mit neuen digitalen Technologien häufig erst reaktiv und nicht schon vorausschauend vermitteln können. Angesichts dieser Dynamik wurde für eine verstärkte Vermittlung von analytischen und methodischen Kompetenzen plädiert, um Rettungskräfte zu einer fortwährenden, eigenständigen Aneignung von Neuerungen im Bereich der Digitalisierung zu befähigen. Für die Zukunft regten die Panelisten an, Forschung zu gesellschaftlichen Auswirkung der Digitalisierung zu intensivieren und wiesen darauf hin, dass zusätzliche Kompetenzen stets von zusätzlichen Ressourcen flankiert werden müssen. Darüber hinaus wurde deutlich, dass die zunehmende Vernetzung von Daten im Zuge der Digitalisierung auch mit einer zunehmenden Vernetzung von Behörden einhergehen sollte.

     

Podiumsdiskussion

Moderation:

Sabrina Ellebrecht (Fachdialog Sicherheitsforschung, Universität Freiburg) und

Roman Peperhove (Forschungsforum Öffentliche Sicherheit, Freie Universität Berlin)

Podiumsteilnehmer:

Prof. Dr. Natascha Adamowsky (Universität Siegen) – Statement: Digitale Medientechnologien ermöglichen neue Dimensionen der Kooperation und verlangen nach neuen Modellen der Koordination. Mobilität und Vernetzung erlauben neue ge/verteilte Infrastrukturen, in denen die Unterschiede zwischen analogen und digitalen Medien in der täglichen Anwendung für viele verwischen.

 

Prof. Dr. Stefan Jarolimek (Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol)) – Statement: Private Smartphones begleiten Polizeieinsätze auf jedem Schritt und Tritt. Polizistinnen und Polizisten benötigen Medienkompetenz im Umgang mit dieser neuen Transparenz und moderne Technik, um selbst adäquat kommunizieren zu können.

  

Prof. Dr. Peer Rechenbach (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) – Statement: Unsere Gesellschaft wächst seit Jahren in eine Kommunikationsgesellschaft hinein, die alle unsere Lebensbereiche umfasst. Dies wirkt selbstverständlich auch in alle ehrenamtlichen Aktivitäten der Gefahrenabwehr hinein.

  

Gerold Reichenbach (Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.) – Statement: Die Digitalisierung ist aus der Welt der Einsatzkräfte nicht mehr wegzudenken. Weder als Umfeld noch als Einsatzmittel. Als solche bergen sie eigene Risiken: Sie können ausfallen und was nicht vorher programmiert wurde, lässt sich nicht händeln!

   

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