3C Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen – erkennen, aufklären, entschärfen

Dienstag, 19. Juni 2018, 17:30 - 19:00 Uhr

Raum: Asgabat

    

Zusammenfassung

Immer wieder stehen herrenlose Gepäckstücke oder andere Behältnisse an Bahnhöfen, auf öffentlichen Plätzen oder in Gebäuden. Bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte auf eine unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) stehen die Entschärfer vor der Herausforderung, das Objekt am Einsatzort eingehend zu untersuchen, um eine belastbare Aussage zum möglichen Gefährdungspotenzial treffen zu können. Den Einsatzkräften stehen dazu unterschiedliche Technologien zur Verfügung, die allerdings immer wieder an ihre Grenzen stoßen.

Der Impulsvortrag von Dr. Axel Knödler vom Landeskriminalamt Baden- Württemberg vermittelte zunächst einen Überblick über die Aufgaben, Tätigkeiten und Herausforderungen der Entschärfer. Dabei machte er deutlich, dass die Entwicklung neuer Technologien nicht nur unter dem Aspekt der Erweiterung von Möglichkeiten zur Beherrschung unterschiedlichster Spreng- und Brandvorrichtungen zu sehen ist. Auch die Sicherung von Spuren sowie die Gewährleistung einer größtmöglichen Sicherheit für die Einsatzkräfte spielen eine zentrale Rolle.

Bei der Vorstellung des Projekts „Detektion unterschiedlicher unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen mittels intelligenter analytischer Sensorik (DURCHBLICK)“ erläuterte Dr. Stefan Moser, welche zusätzlichen Möglichkeiten der Informationsgewinnung sich insbesondere durch den Einsatz der Röntgen-Rückstreu-Technologie sowie durch Gamma-Kameras ergeben. Um auch schwer zugängliche Objekte aus sicherer Entfernung zu untersuchen, soll die Sensorik robotergestützt verfügbar gemacht werden. Herr Dr. Moser ging zudem auf den Aspekt der Mensch-Maschine Schnittstelle ein. Er machte deutlich, dass der Mehrwert der durch die Sensorik gewonnenen Informationen entscheidend davon abhängt, wie diese aufbereitet und den Entschärfern zur Verfügung gestellt werden.

Prof. Dr. Gerhard Holl führte aus, dass bei einem konkreten Verdacht auf Vorliegen einer USBV die Kenntnis des tatsächlichen Inhalts für die nächsten Schritte der Entschärfung von großer Bedeutung ist, da z. B. bei Vorliegen einer Sprengladung mit weiteren toxischen oder radioaktiven Zusätzen besondere Vorsicht geboten ist. Um eine schnelle und eindeutige Ermittlung des Inhaltes vornehmen zu können, wurde im Rahmen des Verbundvorhabens „Detektion von Explosivstoffen – unsichtbare Gefahren sichtbar machen (LAGEF)“ ein neuartiges Laser-Bohr-Detektionssystem realisiert. Prof. Holl demonstrierte, dass spezifische Laserparameter identifiziert werden konnten, mit denen auch hochempfindliche Explosivstoffe sicher bearbeitet werden können. Verdächtige Objekte können punktuell durch eine Mikrobohrung geöffnet werden, so dass Proben spurenschonend entnommen und mit unterschiedlichen Detektionstechnologien untersucht werden können.

Das Vorhaben „Funktion und Sicherheit von Funksystemen in Theorie und Praxis: Untersuchung neuer Ansätze zur drahtlosen Entschärfung unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen (DEFUSE)“ wurde von Dr.-Ing. Timo Kasper vorgestellt. Er machte deutlich, dass improvisierte Sprengsätze, die ferngesteuert gezündet werden können, für die Entschärfer eine erhebliche Herausforderung darstellen. Ziel des Vorhabens ist es, einfach zu handhabende Werkzeuge zu entwickeln, mit denen die Einsatzkräfte gezielt die Kontrolle über die Funkschnittstelle der USBV übernehmen und eine Zündung verhindern können. Dr. Kasper führte in diesem Zusammenhang vor, dass auch moderne verschlüsselte Funksysteme in der Regel über Schwachstellen verfügen. Diese gilt es zu identifizieren um die Sprengsätze entschärfen zu können.

  

Vorträge

Bitte beachten Sie:

Alle hier zum Download zu Verfügung gestellten Vorträge sind nicht barrierefrei.

   

Impuls & Moderation:

Dr. Axel Knödler (Landeskriminalamt Baden-Württemberg) – Gefahren durch USBV: Aufgaben, Tätigkeiten und Herausforderungen der Entschärfer (pdf-Datei)

Vortragende:

Dr. Stefan Moser (Fraunhofer Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut (EMI)) – Besseres Erkennen von USBVs durch erweiterte robotergestützte Sensorik (DURCHBLICK) (pdf-Datei)

Prof. Dr. Gerhard Holl (Institut für Detektionstechnologien (IDT) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) – Detektion von Explosivstoffen – unsichtbare Gefahren sichtbar machen (LAGEF) (pdf-Datei)

Dr.-Ing. Timo Kasper (Kasper & Oswald GmbH) – Funktion und Sicherheit von Funksystemen in Theorie und Praxis: Untersuchung neuer Ansätze zur drahtlosen Entschärfung unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen (DEFUSE) (pdf-Datei)

Anschließend Diskussion

    

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