2D Gemeinsam gegen Extremismus und Radikalisierung

Dienstag, 19. Juni 2018, 15:15 - 16:45 Uhr

Raum: Moskau B

    

Zusammenfassung

Der überwiegende Teil der in Deutschland lebenden Menschen nutzt täglich das Internet und soziale Medien. In Sekundenschnelle lassen sich darüber Produkte beschaffen oder Informationen über den gesamten Globus hinweg austauschen. Doch wie so oft gibt es auch hier eine Schattenseite: Das Internet bietet genauso einfach und schnell die Möglichkeit zur ungehinderten Verbreitung radikaler Ansichten. Die Beiträge der Session haben sich daher aus verschiedenen Blickwinkeln mit den Themen Radikalisierung und Extremismus in sozialen Netzwerken auseinandergesetzt.

In dem Impulsvortrag „Zwischen alten Pfaden und neuen Wegen – Interimsbeobachtungen der Radikalisierungsforschung“ von Prof. Dr. Andreas Zick wurde deutlich, dass die Angst vor Terrorismus zu den größten Ängsten der Deutschen gehört. Gerade aus den Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Milieus entstehen neue Radikalisierungsprozesse, die sich auch in sozialen Netzwerken zeigen. Weil radikale Meinungen und Extremismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, ist es wichtig, die Forschung zu Radikalisierungsprozessen weiter zu intensivieren, was im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms bereits seit einigen Jahren umgesetzt wird.

Ein Beispiel dafür ist das von Dr. Dominik Kudlacek vorgestellte Projekt „Radikalisierung im digitalen Zeitalter (RadigZ)“, das u. a. Radikalisierungsbiografien analysiert. Hier wurden im Rahmen von standardisierten Befragungen zu religiös-extremistischen Fragestellungen Umfragen in 9 Bundesländern durchgeführt. Ergänzend dazu wurde in der Präsentation der Projekte „Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt (TARGET)“ und „Risikoanalyse bei islamistisch motivierten Tatgeneigten (RISKANT)“ von Dr. Astrid Rossegger ein Modell zur Früherkennung gewaltbereiter Personen vorgestellt. Ein Ergebnis ist, dass künstliche Intelligenz (KI) dem Menschen bei analytischen Arbeiten zwar überlegen ist, aber dass die Stärken der KI mit dem Expertenwissen des Menschen kombiniert werden sollte.

Auch die Vorhaben „Visuelle Entscheidungsunterstützung bei der Auswertung von Daten aus sozialen Netzwerken (INTEGER) und „Dschihadismus im Internet (DiI)“ beschäftigen sich mit Megatrends in sozialen Netzwerken. Dr. Stefan Taing stellte einen rechtssicheren Softwaredemonstrator aus dem INTEGER-Projekt vor, mit dem ein schnelles Screening von Videomaterial und eine Analyse von Kontakten innerhalb sozialer Netzwerke ermöglicht werden. Dr. Christoph Günther erläuterte, wie im DiI-Projekt islamistische Videobotschaften analysiert werden, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Konvertiten in professionelle Videos eingebunden werden.

Zusammenfassend wurde festgehalten, dass Internetauftritte und Videos professionell gestaltet sind, um Anhänger zu gewinnen und extremistischen Botschaften zu verbreiten. Zudem ist Radikalisierung auch immer ein Zeichen für mangelhaft geregelte gesellschaftliche Konflikte, die einer Lösung bedürfen. Daher ist aufmerksames Hinschauen sehr wichtig.

   

Vorträge

Bitte beachten Sie:

Alle hier zum Download zu Verfügung gestellten Vorträge sind nicht barrierefrei.

   

Moderation:

Dr. Uwe E. Kemmesies (Bundeskriminalamt Wiesbaden)

Impuls:

Prof. Dr. Andreas Zick (Universität Bielefeld) – Zwischen alten Pfaden und neuen Wegen – Interimsbeobachtungen der Radikalisierungsforschung (pdf-Datei)

Vortragende:

Dr. Dominik Kudlacek (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen) – Radikalisierung im digitalen Zeitalter – Risikofaktoren und vulnerable Gruppen (RadigZ) (pdf-Datei)

Dr. Stefan Taing (Munich Innovation Labs UG Grünwald) – Visuelle Entscheidungsunterstützung bei der Auswertung von Daten aus sozialen Netzwerken (INTEGER) (pdf-Datei)

Dr. Astrid Rossegger (Universität Konstanz) – Modell zur Früherkennung gewaltbereiter Personen (pdf-Datei)

Dr. Christoph Günther (Universität Mainz) – Dschihadismus im Internet: Die Gestaltung von Bildern und Videos, ihre Aneignung und Verbreitung (DiI)

Anschließend Diskussion

   

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