Session "Kaskadeneffekte durch Ausfall der Stromversorgung"

Mittwoch, 18.04.2012; 11:15 - 12:45 Uhr

Die kontinuierliche Verfügbarkeit von Wasser, Strom sowie Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung, Verkehrsinfrastrukturen und Telekommunikation gilt für die meisten Menschen in westlichen Gesellschaften als selbstverständlich. Dafür müssen jedoch die soziotechnischen Systeme einwandfrei funktionieren. Die Ergebnisse der TAB-Studie des Deutschen Bundestags zum Stromausfall – vorgestellt von Dr. Thomas Petermann – belegen: Häufig wird erst in Krisen deutlich, dass und wie sich die einzelnen Infrastrukturen aufeinander beziehen. Die Folgen großflächiger Stromausfälle können schwerwiegend sein.

Die Betreiber sind daher an der Erfassung von Abhängigkeiten und Interdependenzen zwischen Infrastrukturen ebenso interessiert, wie an den Lösungsansätzen. Dies verdeutlichte Thomas Schäfer von Vattenfall und Partner im Projekt „Simulation von intersektoriellen Kaskadeneffekten bei Ausfällen von Versorgungsinfrastrukturen (SIMKAS-3D)“.

Ein Kernproblem besteht darin, dass an dem Ort, an dem eine Störung zuerst registriert wird, häufig nicht bekannt ist, welche Folgeeffekte diese bei anderen Infrastrukturbetreibern verursachen kann. Wechselwirkungen können aus der räumlichen Nähe von Systemkomponenten entstehen, wie etwa bei aneinander liegenden Leitungsnetzen, die sich gegenseitig durch Kriechströme oder Unterspülungen schädigen. Weitere Wechselwirkungen ergeben sich durch die Abhängigkeit von anderen Infrastrukturen, wie zum Beispiel von Gas, Wasser oder auch Kommunikation.

Mit welchen Ansätzen Kaskadeneffekte erforscht werden können, erläuterte Prof. Dr. Wolfgang Kröger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

Heutzutage sind aus vertikal integrierten Systemen mit wenigen Schnittstellen der einzelnen Infrastruktursektoren horizontal integrierte Systeme mit vielen Schnittstellen geworden. Daraus ergibt sich ein erhöhter Kooperations- und Kommunikationsbedarf für die Betreiber von Infrastruktursystemen. So muss zum Beispiel abgeschätzt werden, ob und ab wann eine registrierte Störung für einen anderen Betreiber relevant werden kann. Erforderlich ist daher eine Kommunikation, die über die eigenen Systemgrenzen hinausreicht. Schließlich erläuterte Prof. Dr. Volkmar Pipek, wie im Krisenfall auch die Bevölkerung durch Soziale Netzwerke einbezogen werden kann.

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Impulsbeitrag:

Vorstellung der TAB Studie des Deutschen Bundestags zum Stromausfall - Dr. Thomas Petermann (Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag)

Vorträge:

Kaskadensimulation am Beispiel von SIMKAS 3D - Thomas Schäfer (Vattenfall Europe)

Was bedeuten Kaskaden und wie sind sie zu erforschen? - Prof. Dr. Wolfgang Kröger (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich)

Soziale Netzwerke als Krisenmanagementwerkzeuge - Prof. Dr. Volkmar Pipek (Universität Siegen)

Anschließend Diskussion

Moderation: Dr. Leon Hempel (Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin)