Session "Forschungsforum Öffentliche Sicherheit: Sicherheit 2025 Krisenkommunikation unter dem Gefrierpunkt"

Mittwoch, 18.04.2012; 14:15 - 15:45 Uhr

Was wäre, wenn winterliches Extremwetter Mitteleuropa heimsuchte und die Risiko- und Krisenkommunikation durch widersprüchliche Informationen, komplexe Kompetenzverteilung und Skandalisierung in den Medien erschwert würde? Szenario-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller, wissenschaftlicher Direktor der Z_punkt GmbH, präsentierte dieses Szenario und zeigte, wie Krisenmanagement in einer solchen Lage an seine Grenzen kommen kann.

Die Anforderungen an die öffentliche Kommunikation bei der Bewältigung einer solchen Katastrophenlage beschrieb Prof. Dr. Gebhard Rusch, Akademischer Direktor am Institut für Medienforschung der Universität Siegen. Er ging dabei besonders auf die Rolle von Presse, Fernsehen und Hörfunk ein, die in einer Krise selbst zum Risiko werden könnten. Die Möglichkeiten, die die neuen Medien mit sich bringen, wurden dabei gesondert beleuchtet.

Norbert Seitz, Leiter der Abteilung Krisenmanagement im Bundesministerium des Innern, nannte als ein zentrales Thema seines Hauses, die Stärkung der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung. Die Risikokommunikation müsse unterstützt werden, ohne diffuse Ängste zu schüren. Auch sei noch völlig unklar, wie sich der demografische Wandel konkret auf die Anzahl ehrenamtlicher Helfer im Jahr 2025 auswirken werde. Es sei die derzeitige Aufgabe, so Seitz, „sehr fantasievoll zu überlegen, wie wir die Struktur des ehrenamtsgetragenen Bevölkerungsschutzes zukunftsfähig machen können“.

In der Diskussion, moderiert von Marie-Luise Beck, wurde intensiv über die negative Ausrichtung des Szenarios diskutiert. Es sei Konsens in der Wissenschaft, dass die Solidarisierungsgrade in der Bevölkerung seit Jahrzehnten unverändert hoch seien. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion widmete sich den veränderten Rahmenbedingungen für die Krisenkommunikation, wie kulturell heterogene Gesellschaften – verbunden mit Sprach- und Verständnisproblemen – sowie einer gestiegenen Anzahl der Akteure in einem Krisenfall. Dadurch käme es zu einem erhöhten Kommunikations- und Koordinationsaufwand.

In diesem Kontext wurden die sozialen Medien deshalb als Chance angesehen, da sie die Akteure über organisatorische Ebenen hinweg verbinden könnten. Über digitale Kommunikationsformen könne es in Zukunft gelingen, einzelne Bevölkerungsgruppen gezielt anzusprechen. Aktuell wurde die Dringlichkeit hervorgehoben, ein Konzept zur Warnung der Bevölkerung zwischen Bund und Ländern abzustimmen.

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Vorträge:

Krisenkommunikation unter dem Gefrierpunkt - Dr. Karlheinz Steinmüller (Z_punkt)

Krisenkommunikation und Neue Medien - Prof. Dr. Gebhard Rusch (Universität Siegen)

Statement:

Norbert Seitz (Bundeministerium des Inneren)

Anschließend Diskussion

Moderation: Marie-Luise Beck (Forschungsforum Öffentliche Sicherheit)

Ansprechpartner beim Forschungsforum Öffentliche Sicherheit

Marie-Luise Beck
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