Session "Forschungsforum Öffentliche Sicherheit: Sicherheit 2025 Erlebnis Flughafen"

Mittwoch, 18.04.2012; 16:15 - 17:45 Uhr

Was wäre, wenn in Zukunft die Bürger der Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen so überdrüssig würden, dass die Politik reagieren und die Maßnahmen lockern müsste? Szenario-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller, wissenschaftlicher Direktor der Z_punkt GmbH, präsentierte ein solches Szenario. Er zeigte auf, wie der Flughafen zum offenen und freien Erlebnisraum werden könnte, wenn Unsicherheiten als Kernbestandteil des Lebens in der Bevölkerung akzeptiert würden.

Prof. Dr. Wolfgang Bonß, Professor für allgemeine Soziologie an der Universität der Bundeswehr in München, hielt in seinem Vortrag ein Plädoyer für eine „neue Kultur der Unsicherheit“. Die konventionelle Position, Unsicherheiten als Ärgernisse anzusehen, die – genügend Zeit und Geld vorausgesetzt – vollständig beseitigt werden könnten, sei angesichts der heutigen Risiken nicht mehr vertretbar. Die Sicherheitsfixierung in der Gesellschaft müsse daher der Bereitschaft weichen, Unsicherheiten als Bestandteil des Lebens zu akzeptieren.

Auf die Unterscheidung zwischen hinnehmbaren und nicht hinnehmbaren Risiken konzentrierte sich in seinem Statement Gerold Reichenbach, Bundestagsabgeordneter der SPD und Mitglied im Innenausschuss. In bestimmten Bereichen – und dazu zählte er den Terrorismus genauso wie den Individualverkehr – müssten Restrisiken akzeptiert werden. Risiken, deren Eintritt wahrscheinlich sei und die eine Gesellschaft aufgrund der dramatischen Folgen für die Menschen nicht hinnehmen könne, müssten aber ausgeschlossen werden. Die Politik müsse sich unabhängig von medialen Hypes, wirtschaftlichen Interessen und Wahrnehmungen der Bevölkerung auf diese Risiken konzentrieren. Hierzu forderte er einen breiten gesellschaftlichen und politischen Diskurs, zu dem auch die Wissenschaft ihren Beitrag leisten müsse.

In der anschließenden, von Dr. Lars Gerhold moderierten, Diskussion wurde erörtert, ob der Stellenwert, den die Gesellschaft dem Terrorismus beimisst, nicht hinterfragt werden müsse. Auch wurde darüber diskutiert, ob der Flughafen tatsächlich noch der Ort sei, an dem Sicherheit produziert werde oder ob verschärfte Sicherheitsmaßnahmen lediglich subjektive Sicherheitswahrnehmungen und auch Marktinteressen bedienten. Die in der Öffentlichkeit zum Teil vertretene These, durch ausreichend Geld, Personal und Technik könne hundertprozentige Sicherheit gewährleistet werden, sei nicht haltbar. Stattdessen bedürfe es eines Wandels der Sicherheitskultur hin zu einem realistischen Wissen über Risiken und ihre Nicht-Beherrschbarkeit sowie zu einem konstruktiven Umgang mit Unsicherheit. 

Vorträge:

Erlebnis Flughafen - Dr. Karlheinz Steinmüller (Z_punkt)

Für eine neue Kultur der Unsicherheit - Prof. Dr. Wolfgang Bonß (Universität der Bundeswehr)

Statement:

Gerold Reichenbach (MdB)

Moderation: Dr. Lars Gerhold (Forschungsforum Öffentliche Sicherheit)

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