Session Forschungsforum Öffentliche Sicherheit: Sicherheit 2025 "Banken vier Tage offline"

Mittwoch, 18.04.2012; 9:00 - 10:30 Uhr

Was wäre, wenn durch einen Softwarefehler die Banken-IT kompromittiert würde? Szenario-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller, wissenschaftlicher Direktor der
Z_punkt GmbH, präsentierte dieses Szenario und zeigte auf, wie fehlgeschlagene Gegenmaßnahmen, verbunden mit Kaskadeneffekten, zu Störungen und Krisen
führen können, die weit über die ursprünglich betroffenen Systeme hinausgreifen.

Prof. Dr.-Ing. Jochen H. Schiller, Leiter der AG Technische Informatik sowie des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit an der Freien Universität Berlin, legte in seinem Vortrag dar, dass Banken im Regelbetrieb zwar kompetent verwaltet würden, das System aufgrund der hohen Komplexität aber niemals vollständig kontrollierbar sei. Neben dem hohen Vernetzungsgrad in IT-Systemen gehörten die Quasi-Monopolstellung von Chip-Anbietern und die Migration neuer Systeme in alte, sicher geglaubte Systeme, zu den großen inhärenten Risiken, die ein Umdenken erforderten. Ähnlich der Umwelttechnologie müsste sich daraus ein Megatrend entwickeln, der die Sicherheitstechnologie als unverzichtbaren Bestandteil jeder Innovation von Anfang an einbeziehe. Dabei dürften auch nicht die „Entnetzung“ oder Neuprogrammierung von Systemen („Clean Slate“) aus Kostengründen zum Tabu erhoben werden.

Thomas Losse-Müller, Beisitzer des hessischen Landesvorstands Bündnis 90/Die Grünen und Senior Financial Sector Specialist der Weltbank, merkte an, dass bisher im Finanzdiskurs kaum über die technische Dimension der systemischen Risiken in den Banken gesprochen worden sei. Er teilte die vorherrschende Kritik an den nicht hinterfragten Deregulierungen der Finanzmärkte, die erst zum Marktversagen des Finanzsektors geführt hätten. Statt auf alte Regulierungsinstrumente zurückzugreifen, gehe es ihm mehr um die Lösung von Strukturfragen in Anerkennung der Tatsache, dass es Risiken gibt, die nicht vollständig kontrollierbar sind.

Insbesondere die Anforderung, Sicherheit in die Produktentwicklung von Beginn an einzubeziehen und dabei Strategien im Umgang mit dysfunktionalen Prozessen zu entwickeln, war Thema der von Marie-Luise Beck moderierten Diskussion. Die Tatsache, dass systemische Risiken letztlich nicht beherrschbar sind, sei im öffentlichen Diskurs noch nicht angekommen, so der Tenor der Diskussion. Sowohl für technische Systeme als auch für das Gesamtsystem des Bankensektors gelte hierbei: Politische und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit könne nur zurückgewonnen werden, indem neue Strukturen geschaffen würden, die die systemischen Risiken in einen tolerierbaren Bereich verschieben könnten.

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Vorträg:

Banken vier Tage offline - Dr. Karlheinz Steinmüller (Z_punkt)

Komplexe Systeme: Wissen wir, was wir tun? – Beispiel Mobilkommunikation - Prof. Dr.-Ing. Jochen H. Schiller (Freie Universität Berlin)

Statement:

Thomas Losse-Müller (Beisitzer hessischen Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen, Senior Financial Sector Specialist, Weltbank)

Anschließend Diskussion

Moderation: Marie-Luise Beck (Forschungsforum Öffentliche Sicherheit)

Ansprechpartner beim Forschungsforum Öffentliche Sicherheit

Marie-Luise Beck
Freie Universität Berlin
Fabeckstr. 15, 14195 Berlin
Tel.:  +49 30 838 752 47
Mobil: +49 151 526 044 65
Fax.: +49 30 838 573 99
marieluise.beck@fu-berlin.de
www.sicherheit-forschung.de


 

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