Session "Forschungsforum Öffentliche Sicherheit: Abschlussdiskussion Sicherheitskultur 2025"

Donnerstag, 19.04.2012; 9:00 - 10:30 Uhr

Im Mittelpunkt der Abschlussdiskussion stand die, in allen Szenarien zentrale Frage, wie sich die Sicherheitskultur verändern wird und welche sozialen, politischen und technischen Entwicklungen dabei eine Rolle spielen könnten.

Prof. Dr. Christopher Daase, Professor für Internationale Organisation im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt, eröffnete seinen Grundsatzbeitrag mit der These, dass das Zusammenwirken von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft einen Zirkel eines, sich selbst steigernden und sich gleichzeitig unterminierenden, Sicherheitsstrebens erzeuge. Er machte deutlich, dass es vor allem gesellschaftliche Werte und Überzeugungen seien, die darüber entschieden, was letztlich als eine Gefahr anzusehen sei und mit welchen Mitteln ihr begegnet werden sollte. Diese Definition versucht, dem „zentralen Rätsel der Sicherheitskultur“ durch die Unterscheidung von Unsicherheit und Ungewissheit auf die Spur zu kommen. Denn derzeit sei eine paradoxe Entwicklung zu beobachten: Wer relative Sicherheit besitzt, möchte absolute Sicherheit erreichen – und ist durch deren Unerreichbarkeit zunehmend verunsichert. Insofern vermutet Prof. Dr. Daase, dass im Jahr 2025 die Menschen mehr Sicherheit erlangt haben und doch das Gefühl haben werden, weniger sicher zu sein. Diese, insbesondere für die Politik, sehr unbefriedigende Aussicht ist jedoch nicht determiniert. Vielmehr sollten Anstrengungen unternommen werden, den Zirkel einer sich kontinuierlich steigernden „Versicherheitlichung“ aufzusprengen. Hier sieht Prof. Dr. Daase die Wissenschaft bzw. das Sicherheitsforschungsprogramm in der Pflicht.

Die anschließende, von Marie-Luise Beck und Dr. Lars Gerhold moderierte Diskussion, fokussierte sich auf die unterschiedlichen Facetten der Sicherheitskultur.

Durch Agenda-Setting-Prozesse angetrieben, unterliege die Sicherheitskultur einem ständigen Wandel.  Ein Tenor der Diskussion lautete, dass häufig das Gefühl vorherrsche, eher Getriebener als Treiber dieses Wandels zu sein. Eine demokratische Sicherheitspolitik sollte jedoch diesen Wandel bewusst steuern. Dazu gehöre eine noch stärkere Beachtung legitimer Ängste in der Bevölkerung sowie der häufig nicht weniger irrationalen Risikoberechnungen der Wissenschaft unter Berücksichtigung dessen, was die Politik zu leisten im Stande sei. Gleichzeitig gelte es, die Rollen und Funktionen von Wirtschaft und Medien mitzudenken.

Vortrag:

Sicherheitskultur 2025 - Prof. Dr. Christopher Daase (Goethe-Universität Frankfurt)

Statements:

Dr. Karlheinz Steinmüller (Z_punkt)

Dr. Hans-Peter Uhl (MdB)

Frank Tempel (MdB)

Prof. Dr.-Ing. Hermann J. Thomann (TÜV Rheinland Consulting)

Anschließend Diskussion

Moderation: Marie-Luise Beck / Dr. Lars Gerhold (beide Forschungsforum Öffentliche Sicherheit)

Ansprechpartner beim Forschungsforum Öffentliche Sicherheit

Marie-Luise Beck
Freie Universität Berlin
Fabeckstr. 15, 14195 Berlin
Tel.:  +49 30 838 752 47
Mobil: +49 151 526 044 65
Fax.: +49 30 838 573 99
marieluise.beck@fu-berlin.de
www.sicherheit-forschung.de


 

Logo Forschungsforum Öffentliche Sicherheit

Freie Universität Berlin