Gesellschaftliche Aspekte der Forschung: vier Säulen

Gesellschaftliche Fragestellungen sind über den gesamten Forschungsprozess eng mit technologischen Entwicklungen verzahnt. Sie sind integraler Bestandteil der einzelnen Projekte. Aufgabe der vorwiegend in geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen situierten Forschung ist es, einen wesentlichen Beitrag zur Problemlösung im Kontext konkreter Entwicklungsprozesse und Anwendungen zu leisten. Darüber hinaus werden projektübergreifende Themen und grundlegende Fragen der zivilen Sicherheitsforschung in gesellschaftswissenschaftlichen Projekten untersucht.

Die gesellschaftlichen Fragen der Sicherheitsforschung werden in vier Dimensionen bearbeitet:

  • Kultur
    In der kulturellen Dimension sind gesellschaftlich relevante sicherheitsbezogene Forschungen zu Werten, Wahrnehmungen, Kommunikation und anderen Verhaltensweisen adressiert. Zur Forschung gehören auch Ursachen- und Folgeanalysen wie Fragen der Sicherheitsökonomie.
  • Architektur
    Mit Sicherheitsarchitektur wird die nationale und internationale Konstitution und Transformation des konzeptionellen, institutionellen und räumlichen Gefüges der Sicherheitsherstellung im Kontext des Wandels von Staatlichkeit fokussiert.
  • Organisation
    Unter Organisation stehen die Herausforderungen an Rahmenbedingungen, Strukturen und Handlungsmuster von sicherheitsrelevanten Akteuren im Kontext von neuen Sicherheitsanforderungen und Technisierungsschüben im Blick.
  • Technik
    Die gesellschaftliche Dimension der Technikforschung bezieht sich auf Fragen und Probleme der Genese und Innovation, der Akzeptanz, der Implementierung und der Folgen von Technisierungsprozessen sowohl auf der Ebene der unmittelbar daran partizipierenden Akteure als auch im breiteren.
Vier Säulen Modell

Projektteam Fachdialog Sicherheitsforschung / BMBF; Stand: September 2010

Die Forschung in diesen vier Dimensionen steht unter einem offenen und vielschichtigen Theoriebezug.

Programmatische Aspekte der Forschung in allen vier Dimensionen ergeben sich aus dem Leitbild, Forschung für angemessene Sicherheitskonzepte und Technikentwicklungen zu betreiben und nicht daraus, Akzeptanz für fertige Technologien zu schaffen. Entsprechend liegt der Fokus auf:

  • Deutungs- und Bewertungsfragen, wie der Wahrnehmung von und den Erwartungen an Sicherheit oder den soziokulturellen und politisch-normativen Dimensionen von Bedrohungsdefinitionen;
  • umfassenden Kontextreflexionen zu jeweils relevanten Dimensionen der Voraussetzungen, Bedeutungen und Folgen von Sicherheitsstrategien;
  • einem sozio-technischen Denken, das die technische Strukturierung des Sozialen ebenso ernst nimmt wie die soziokulturelle Prägung von Technisierungsstrategien und zur bewussten Gestaltung beider Prozesse beiträgt.