Bewilligte Projekte aus der Bekanntmachung "Schutz und Rettung bei komplexen Einsatzlagen"

Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Gefahren ist eine der Kernaufgaben staatlichen Handelns. Dies gilt vor allem in Hinblick auf Risiken bei komplexen Schadenslagen, die z. B. durch Naturkatastrophen, durch technisches oder menschliches Versagen hervorgerufen werden. Deutschland verfügt über einen gut funktionierenden Bevölkerungsschutz mit einer Vielzahl von haupt- und ehrenamtlichen Helfern in staatlichen und privaten Organisationen. Die Bekanntmachung "Zivile Sicherheit - Schutz und Rettung bei komplexen Einsatzlagen" soll durch die Erarbeitung innovativer organisatorischer und technischer Lösungen die staatlichen und privaten Akteure bei der Vorsorge sowie der Bewältigung von komplexen Schadenslagen unterstützen.

Verschiedene Feuerwehrfahrzeuge in einer Reihe.

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Laufende Verbundvorhaben:

AERIUS: Alternatives Löschmittel Druckluftschaum – komplexe Großschadenslagen vermeiden

Großbrand

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Förderkennzeichen  13N13630 bis 13N13633

Großbrände können zu unvorhergesehe­nen Ereignisketten mit katastrophalen Konsequenzen führen. Insbesondere bei komple­xen Schadensszenarien sind innovative Löschverfahren erforderlich, die die Gefährdung der Rettungs­kräfte durch giftige Substanzen minimieren und einen Einsatz an spannungsführenden Stromleitungen erlauben. Für diese Szenarien untersuchen die Forschungspartner im Projekt AERIUS das Potenzial von Druckluftschäumen als Löschmittel. Ziel ist es, herauszufinden, unter welchen Bedingungen der Einsatz dieser Schäume vorteilhaft ist. Hierzu werden die Brände in Bezug auf eine mögliche Ausbreitung, Temperaturen und austretende chemische Substanzen analysiert und mögliche Verläufe simuliert.

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AHA: Automatisiertes Helferangebot bei Großschadensereignissen

Arbeitsplatz am Einsatzleitrechner in der Leitstelle Dortmund

Feuerwehr Dortmund

Förderkennzeichen  13N13220 bis 13N13224

Wenn sich eine Katastrophe ereignet, ist die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung oft groß. Damit das Potential freiwilliger Helferinnen und Helfer optimal genutzt werden kann, ist eine enge Koordination mit den Rettungskräften wichtig. Im Forschungsvorhaben AHA soll dazu eine Smartphone-App entstehen, mit der ungebundene Helfer und technische Geräte aus dem Kreis der Bevölkerung erfasst, überprüft und bei Bedarf direkt über das Leitstellensystem eingebunden werden können. AHA wird so dazu beitragen, dass qualifizierte Hilfe bei einer Katastrophe noch schneller bei den Betroffenen ankommt.

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Audime: Audiovisuelle Medizinische Informationstechnik bei komplexen Einsatzlagen

Massenanfall von Verletzten

VDI Technologiezentrum GmbH/Reichel

Förderkennzeichen  13N13261 bis 13N13265

Bei einem Massenunfall mit mehr als 25 Verletzten werden oftmals zahlreiche und spezielle medizinische Leistungen benötigt, die vor Ort nicht sofort verfügbar sind. Die Verbundpartner in Audime erforschen deshalb ein System für eine schnelle und zielgerichtete Daten- und Informationsgewinnung sowie -weitergabe. Darüber hinaus wird eine Lösung für die telemedizinische Einbindung externer Ärzte erarbeitet. Zur Integration dieser Lösungen soll ein einheitliches Informations- und Kommunikationssystem geschaffen werden, in das alle vorhandenen Systeme einbezogen werden können.

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FeuerWeRR: Feuerwehrtaugliche Wärmebildkamera mit erweiterter Realität durch Radarsensorik

Löschübung eines Lkw-Brandes in einem Straßentunnel unter realistischen Bedingungen in einer Brandsimulationsanlage.

Berufsfeuerwehr Reutlingen

Förderkennzeichen  13N13479 bis 13N13482

Zur Personensuche und zur Einsatzorientierung setzt die Feuerwehr bereits Wärmebildkameras ein, die auch dichten Rauch durchdringen können. Sie zeigen allerdings lediglich einen zweidimensionalen Temperaturverlauf, mit dem die räumlichen Gegebenheiten nur schwer erfasst werden können. Moderne Radarsensorik bietet die Möglichkeit, die bislang fehlende Tiefeninformation zu erfassen. Ziel der Forschungspartner in Forschungsverbund FeuerWeRR ist es, diese Technologie in eine neue, mobile, feuerwehrtaugliche Wärmebildkamera zu integrieren. Mit dem neuen Arbeitsgerät können sich die Einsatzkräfte künftig besser orientieren und auch unter komplexen und schwierigen Umständen sicher und schnell navigieren.  

Projektumriss FeuerWeRR  (pdf-Datei) 

    

K3: Informations- und Kommunikationskonzepte für den Krisen- und Katastrophenfall

Hilfsorganisationen im Einsatz

VDI Technologiezentrum GmbH/Reichel

Förderkennzeichen  13N13548 bis 13N13555 

In Krisensituationen schnell und zuverlässig Hilfe zu leisten ist für alle Verantwortlichen eine anspruchsvolle Aufgabe. Die an einem Einsatz beteiligten Organisationen treffen ihre Entscheidungen auf Basis einer Vielzahl an Informationen. Dabei müssen sie sich untereinander eng abstimmen. Im Projekt K3 wird ein organisatorisches und technisches Konzept für die Krisenkommunikation erarbeitet. Es soll den Informationsaustausch nicht nur in und zwischen den Hilfsorganisationen, sondern auch mit der Bevölkerung verbessern. Dabei soll erstmals auch die Verbreitung von Gerüchten und die Wirkung von Warnmeldungen in Sozialen Medien analysiert werden.

Projektumriss K3  (pdf-Datei) 

     

KOKOS: Unterstützung der Kooperation mit freiwilligen Helfern in komplexen Einsatzlagen

Freiwillige Helfer

Enrico Di Cino / Fotolia.com

Förderkennzeichen  13N13559 bis 13N13561

Die Bewältigung komplexer Schäden, zum Beispiel nach Stürmen oder Hochwasser, erfordert eine Vielzahl von Hilfeleistungen und Aufräumarbeiten. Parallel zur Arbeit der professionellen Einsatzkräfte bilden sich zunehmend Selbsthilfegemeinschaften von Bürgerinnen und Bürgern, die eigenständig Hilfsmaßnahmen durchführen. Die Verbundpartner im Projekt KOKOS erarbeiten Konzepte und Modelle, um die Öffentlichkeit als aktiven Partner in das Krisenmanagement einzubeziehen. Sie untersuchen, wie insbesondere Vereine oder Zusammenschlüsse von Unternehmen die Schadensbewältigung unterstützen können, indem sie technische Ressourcen, Räume zur Verfügung stellen bzw. Helferinnen und Helfer mobilisieren.

Projektumriss KOKOS (pdf-Datei)

   

ORPHEUS: Optimierung der Rauchableitung und Personenführung in U-Bahnhöfen: Experimente und Simulationen

Passagiere im Brandfall auf einem sicheren Weg aus einer U-Bahnstation zu führen, das ist das Ziel von ORPHEUS.

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Förderkennzeichen  13N13266 bis 13N13270 und 13N13281

Unterirdische Verkehrsinfrastrukturen gehören zu den Lebensadern moderner Großstädte und sorgen für einen schnellen und zuverlässigen Transport vieler Menschen. Beim Brandschutz stellen sie jedoch eine besondere Herausforderung dar, weil Fluchtwege durch Rauch oft nicht mehr passierbar sind. Im Projekt ORPHEUS soll eine Simulation der Rauchausbreitung erarbeitet werden. Anhand der Simulation sollen sichere Fluchtwege gezeigt werden. Bestimmte Fahrgastgruppen, wie zum Beispiel gehbehinderte Personen, sollen dabei besonders berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden Wege für die Ableitung des Rauchs sowie wirksame Konzepte für die Kommunikation in den Organisationen und mit Passagieren erforscht.

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PRAKOS: Praktiken und Kommunikation zur aktiven Schadensbewältigung

Sturmschaden in einem Park

VDI Technologiezentrum GmbH/Reichel

Förderkennzeichen  13N13323 bis 13N13328

Katastrophen wie Stürme oder Großunfälle, können jeden treffen. Die Bewältigung der Ereignisse hängt u. a. davon ab, wie die Beteiligten eine solche Situation wahrnehmen und mit ihr umgehen. Dies kann regional sehr verschieden sein und resultiert vor allem aus den jeweiligen Vorerfahrungen und der persönlichen Vorsorge. Die Forschungspartner des Projektes PRAKOS bestimmen anhand konkreter Schadenslagen, welche Aspekte der Risikokultur zu einer effizienten Bewältigung der Lage führen. Das Wissen um spezifische Risikokulturtypen ermöglicht es, konkrete Handlungsanweisungen zu formulieren, die zur effektiven Bewältigung eines Großschadensfalles beitragen.

Projektumriss PRAKOS  (pdf-Datei)

   

RAWIS: Radar-Warn und Informationssystem für Anwendungen im Katastrophenschutz

Einstürzendes Gebäude

VDI Technologiezentrum GmbH/Wey

Förderkennzeichen  13N13230 bis 13N13234

Menschen können durch Unwetter, Erdbeben, aber auch durch Gasexplosionen in eingestürzten Häusern oder unter abrutschenden Hängen begraben werden. Während der Bergung ist neben der schnellen Lokalisation eine zuverlässige Sicherung des Geländes wichtig, damit Einsatzkräfte vor weiteren Einstürzen oder abrutschender Erde geschützt werden. Die Forschungspartner im Projekt RAWIS erarbeiten eine radarbasierte Lösung, mit der weitere Bewegungen am Einsatzort sofort entdeckt und die Rettungskräfte gewarnt werden können.

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SMARTER: Notfall-Kommunikationsnetze auf Basis von Mobiltelefonen

Überschwemmung in Thüringen

mb67 / Fotolia.com

Förderkennzeichen  13N13403 bis 13N13406

Bei Katastrophen muss in kurzer Zeit viel kommuniziert werden. Das kann dazu führen, dass Mobilfunknetze überlastet werden und nicht mehr zuverlässig funktionieren. Deshalb entwickeln Partner des Forschungsverbunds SMARTER eine Lösung, mit der gewöhnliche Mobiltelefone direkt miteinander verbunden werden können. So entstehen lokale Netze, die auch bei einem Ausfall der Mobilfunknetze zur Verfügung stehen. Das ermöglicht es Behörden, sich schnell einen Überblick zur Lage zu verschaffen – und Helfer erfahren rasch, wo sie gebraucht werden.

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Abgeschlossene Verbundvorhaben:

AlphaKomm: Ausfallsichere Lagebildinformationen zur Kommunikation im Krisenfall

Komplexe Vernetzung von Versorgungssystemen in urbanen Räumen

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Förderkennzeichen  13N13052 bis 13N13058

Infrastrukturen wie Energie- und Wasserversorgung oder Kommunikationsnetze sind wechselseitig voneinander abhängig. Aufgrund von zahlreichen Schnittstellen können kleine Störungen durch Kaskadeneffekte zu Beeinträchtigungen aller wichtigen Infrastrukturen führen. In einer solchen Krise ist es wichtig, dass Infrastrukturbetreiber und Behörden schnell und effektiv miteinander kommunizieren können. Dafür erarbeiteten Forschungspartner im Projekt AlphaKomm technische und organisatorische Lösungen. Dazu gehörten zum Beispiel ein Konzept für die Übermittlung von Informationen unter schwierigen Bedingungen sowie ein zusätzliches Mobilfunknetz für alle Verantwortlichen, für den Fall, dass das allgemeine Netz ausfällt.

Projektumriss AlphaKomm  (pdf-Datei)

   

KOMPASS: Kompetenz und Organisation für den Massenanfall von Patienten in der Seeschifffahrt

Kreuzfahrtschiff am Anleger

VDI Technologiezentrum GmbH/Reichel

Förderkennzeichen  13N13255 bis 13N13260

Die Kreuzfahrtbranche ist ein Wachstumsmarkt. Deshalb werden immer größere Schiffe gebaut, die Tausenden von Passagieren Platz bieten. Allerdings erschwert die große Anzahl der Passagiere im Havariefall die Evakuierung und beim Ausbruch von Infektionskrankheiten die Versorgung der Patienten an Bord. Die Verbundpartner im Projekt KOMPASS erarbeiteten deshalb ein modular aufgebautes Konzept für Notfallmaßnahmen auf großen Passagierschiffen. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit Betreibern von Kreuzfahrtschiffen, Hafenämtern sowie Rettungsorganisationen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden allen relevanten Akteuren als Handlungsempfehlungen sowie Schulungsangeboten zur Verfügung gestellt.

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Muskat: Multisensoriell gestützte Erfassung von Straftätern in Menschenmengen bei komplexen Einsatzlagen

Anreise von Fußballfans

iStockphoto.com/Dziurek

Förderkennzeichen  13N13246 bis 13N13249

An Spielwochenenden der Fußballbundesliga sind regelmäßig mehr als 3000 Bundespolizisten sowie zahlreiche Einheiten der Landespolizeien im Einsatz, um gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen konfliktbereiten Fangruppen zu verhindern. Im Projekt Muskat untersuchten die Verbundpartner, wie durch die Kombination aus Handkameras und lokalen Übersichtskameras sowie Kommunikationssensoren eine schnelle Lokalisierung potenzieller Täter sowie eine bessere Beweissicherung von Straftaten ermöglicht werden kann. Gleichzeitig erarbeiteten die Forschungspartner eine gemeinsame Kommunikation und Lagedarstellung und realisierten den Informationsaustausch zwischen den Organisationseinheiten der Polizei.

Projektumriss Muskat  (pdf-Datei)

  

Hochwasser 2013: Untersuchungen zur Bewältigung des Hochwassers im Juni 2013

Hochwasser in Sachsen-Anhalt im Juni 2013

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Förderkennzeichen  13N13016 und 13N13017

Im Jahr 2002 verursachte das Elbehochwasser Schäden im Wert von 11,6 Milliarden Euro. Seitdem wurde das Risikomanagement durch neue Schutzmaßnahmen und Gesetzesgrundlagen ausgebaut. Im Projekt Hochwasser 2013 haben Forscherinnen und Forscher die Parallelen und Unterschiede zwischen den Überschwemmungen von 2002 und 2013 untersucht. Dabei konnte die Wirksamkeit der neuen Maßnahmen weitgehend bestätigt werden. Außerdem wurden neue Einflüsse wie der Klimawandel, veränderte Landnutzung, ökonomische Entwicklungen und demografischer Wandel identifiziert sowie Potenziale für die weitere Verbesserung des Hochwasserschutzes aufgezeigt.

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