Arbeitsgruppe 1: „Vernetzte Ökonomie und global anwachsende Mobilität“

Logistik- und Produktionsprozesse werden immer internationaler organisiert. Dabei sind einzelne Produktionsschritte von Lebensmitteln, Automobilen, Maschinen oder Medikamenten häufig nicht nur auf unterschiedliche Standorte in Europa verteilt, sondern auch auf verschiedene Kontinente. Durch die globale Arbeitsteilung und Vernetzung ist die Wirtschaftsleistung in den letzten Jahrzehnten stärker gestiegen ist als je zuvor. Mit 80,5 Billionen US-Dollar war die Weltwirtschaftsleistung im Jahr 2015 um 261 Prozent höher als 1995, berichtet der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Bedrohungen globaler Lieferketten sind vielfältig

Global vernetzte Lieferketten sind bei Bedrohungen, wie etwa Naturkatastrophen, kriminellen Aktivitäten oder Epidemien und Pandemien vor allem an den Schnittstellen leicht verwundbar, hoben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsgruppe 1 hervor. Solche Krisen können dazu führen, dass zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen kurzfristig ausfallen und im schlimmsten Fall Produktions- und Lieferprozesse unterbrochen werden. Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger, zu jedem Zeitpunkt über alle Abschnitte ihrer global verteilten Produktions- und Lieferketten informiert zu sein, um Störungen dieser Art vorbeugen zu können.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wiesen zudem darauf hin, dass für international agierende Unternehmen auch der zunehmend automatisierte Datenaustausch und die Kommunikation über das Internet mit immer größeren Gefahren verbunden sind. Der wirtschaftliche Schaden, den Cyberangriffe jährlich verursachen, ist groß. Eine Studie des Verbands BITKOM aus dem Jahr 2015 belegt, dass jedes zweite Unternehmen in Deutschland von Wirtschaftsspionage, Sabotage und Datendiebstahl betroffen war. Jährlich entsteht dabei insgesamt ein Schaden von rund 50 Milliarden Euro.

Auch Naturkatastrophen stellen unter Umständen eine Gefahr für Warenketten dar. Denn Orkane, Überschwemmungen oder langanhaltende Hitzeperioden können die Strom-, Wasser- und Energieversorgung empfindlich stören. Die Kommunikation wird in solchen Fällen zu einer Herausforderung. Telefonnetze und Internet funktionieren nicht ohne Strom und das Mobilfunknetz ist schnell überlastet. Naturkatastrophen können daher zu großen Versorgungslücken führen und großen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Neue Konzepte zur Erhöhung der Resilienz globaler Produktions- und Lieferketten

Um die Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen sowie die Aufrechterhaltung von Lieferketten auch in Krisenlagen umfassend zu gewährleisten, sind von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Arbeitsgruppe 1 unterschiedliche Forschungsansätze diskutiert worden. Unter anderem wurde es als wichtig angesehen,

  • Konzepte für eine integrierte Produktresilienz entlang globaler Wertschöpfungsketten zu entwickeln, bei der innovative Lösungsansätze des Fälschungs- und Manipulationsschutzes einbezogen werden – sowohl für Güter als auch für Daten.
  • systemrelevante Risiken und kritische Abhängigkeiten in internationalen Lieferketten detaillierter zu untersuchen und dabei auch die Gefahrenpotenziale einzubeziehen, die für die deutsche Wirtschaft von lokalen oder globalen Informationsmonopolen ausgehen.
  • effektive Kommunikations- und Informationsmodelle für aktuelle Bedrohungsszenarien zu entwickeln, die zum Beispiel den kontinuierlichen Austausch zwischen Betreibern kritischer Infrastrukturen, Behörden und Unternehmen verbessern und eine adressatengerechtere Risiko- und Krisenkommunikation ermöglichen.
  • standardisierte Simulationsmodelle zur Vorhersage der Verlaufswege und Auswirkungen von Kaskadeneffekten zu erforschen, die beispielsweise durch Stromausfälle ausgelöst werden können.
  • übergreifende Krisenmanagementsysteme zur zeitnahen Warnung, Lagedarstellung und Entscheidungsunterstützung von Unternehmen und Behörden zu entwickeln, mit denen kritische Schnittstellen internationaler Wertschöpfungsketten schneller erkannt und Unternehmensstandorte weltweit besser geschützt werden können.